Europäische Republik

Ein Manifest ist der Extrakt der Kunstaktion „The European Balcony Project“, entwickelt von der deutschen Publizistin Ulrike Guérot, dem österreichischen Autor Robert Menasse und dem Schweizer Theatermacher Milo Rau, ausgerufen von geschichtsträchtigen Balkonen in ganz Europa: Weiterlesen

Ich bin ein Hambacher

„Ich bin ein Berliner“, rief der US-Präsident John F. Kennedy im Jahr 1963 während seines Besuchs im Westen der damals geteilten Stadt in einer Rede vor dem Schöneberger Rathaus seinen Zuhörern zu, um sich mit ihnen zu solidarisieren.

„Ich bin ein Hambacher“, sollte heute – gefragt und ungefragt, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – über die Lippen bringen, dem nicht an einem gewissen Körperteil vorbeigeht, was sich vor seiner Haustür und in der Welt tut. Es wäre eine überragende Haltung im grassierenden Rückfall auf ‚alle Viere‘. Weiterlesen

totes Kapital

„Im Spiel muss der Rhythmus wechseln“, brachte mir in den 1980er Jahren der Intendant Günther Müller bei, mein Chef am Eisenacher Landestheater. Er sagte es als Regisseur, der er zum Glück selten war, denn als geschickter Stratege und akzeptabler Schauspieler war er klug genug, selbst zu erkennen, dass Bühnenregie sein Ding nicht war. Weiterlesen

Sinn und Sinne

Der Sinn taucht aus den Sinnen auf. Für den Schweizer Autor Catalin Dorian Florescu sind sie die „Instrumente des Menschen, mit denen er sich in seiner Gegenwart verankert, mit denen er in Beziehung tritt“. Als da wären „sein Herz, sein Mut, seine Neugierde, sein wacher Blick, der überall schaut, die Ohren, die horchen, nach innen und außen“. Es sind „die Dimensionen, die es braucht, damit ein Mensch ein wirklich reiches Leben lebt, ein Leben mit Sinn“. Es sind „die einzigen, die wir haben“. Denn „keine Besitztümer retten uns davor, ein unsinniges oder sinnloses Leben zu leben, wenn wir uns nicht dauernd als wache, empfindsame Wesen konstituieren“.