grenzenloses Vergnügen

Am 13. August 1961 war ich zwölf Jahre alt und wie jedes Jahr in den Großen Ferien mehrere Wochen zu Besuch bei Tante und Onkel in Oberschlema, das gebietspolitisch heute zur Stadt Aue gehört. Sie wohnten in der Bergstraße in einem dreigeschossigen Wohnblock für 12 Familien. Am Vormittag jenes Sonntags hielt ich mich mit meinem Cousin und anderen Kindern auf einer der Giebelseiten des Hauses auf, wo ein freier Platz zum Wäschetrocknen eingerichtet war. Hing keine Wäsche, durften wir dort spielen. Währenddessen werkelten mein Onkel und andere in ihren Schuppen, die ebenfalls an den Trockenplatz grenzten und auf der Bank an der Hauswand unterhielten sich Frauen. Weiterlesen

Jetzt vernetzte Zimmer kaufen!

Den Schriftzug ‚Jetzt vernetzte Zimmer kaufen‘ vor Augen, erwache ich früh am Morgen aus einem Traum. Sofort sind Zusammenhänge verschwunden. Vermutlich standen die vier Worte auf einem Plakat, doch ich weiß nicht mehr, ob es auf einer Demo getragen wurde oder an einer Hauswand hing oder in eine Bushaltestelle geklebt war oder zu einer Fernsehwerbung gehörte. Ich sehe nur noch schwarz auf weiß den Spruch vor mir und überlege, was er bedeuten könnte. Weiterlesen

leben und am Leben lassen

Wer hat nicht schon mit der Unsterblichkeit geliebäugelt? Ist mir auch klar, dass mein Leben endlich ist, bleibt die Einsicht doch unfassbar. Haben wir die Natur nicht hier und da schon überlistet, Grenzen verschoben und überschritten? Warum nicht auch die Sterblichkeit? Wenn sich das Leben verlängern lässt, warum nicht immer weiter? Weiterlesen

Kriegsentwickler

Das Wort ‚Kriegsentwickler‘ habe ich erfunden. Die EU-Parlamentarierin Agnes Strack-Zimmermann ist eine Kriegsentwicklerin. Seit Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine begann, ist ihr nichts wichtiger und richtiger, als ihn so lange fortzusetzen, bis die Ukraine sich revanchiert hat. In ihrem katholischen Weltbild muss Putin sich am Ende für besiegt erklären. Wirklichkeitsnähere Menschen wissen, dass das nicht geschehen wird und stattdessen Schlimmstes immer weiter. Weiterlesen

meine Natur

Im Leipziger Johanna-Park gibt es eine Stele zum Andenken an den Textilunternehmer Walter Cramer. Als Mitverschwörer des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er im November desselben Jahres im Strafgefängnis Plötzensee in Berlin hingerichtet. Auf der Stele steht: DER TOD EINES 58 JÄHRIGEN IST NICHT SINN UND ZWECKLOS.WENN MAN MIR GEDENKEN UND IN EHREN BEWAHRT,SO WIRD MAN ÜBER MICH UND MEINE GESINNUNG,MEINE ARBEIT UND MEIN HANDELN NACHDENKEN UND – DANACH HANDELN Weiterlesen