Schubladen

In der Renaissance, einer Epoche, inder die Kultur der griechischen und römischen Antike wiederbelebt wurde, soll die Schublade erfunden worden sein. Bis dahin waren Truhen die gängigen Aufbewahrungsmöbel. Der Unterschied ist offensichtlich. In Truhen Verwahrtes ist vertikal geschichtet. Schubladen ermöglichen den horfizontalen Zugang zum Aufbewahrten. Das geht schneller und ist weniger anstrengend. Die Schublade erfüllt den wachsenden Bedarf an der Unterbringung von Dingen im alltäglichen Leben und behalten sie übersichtlich. Sie helfen einem wachsenden Durcheinander ab. Zugleich ermöglichen sie übersichtliches Trennen und Zusammenhalten. Weiterlesen

anders lernen

Der englische Schriftsteller William Godwin, der als Begründer des philosophischen Anarchismus gilt, kritisiert Autorität, politische Macht und die Legitimität von Regierungen. Er war von der Notwendigkeit überzeugt, ein System, das sich in Bildungs- und Erziehungsanstalten manifestiert, einzuschränken: „Sie mögen zur Zeit ihrer Etablierung die Verwirklichung der allergrößten Wohltaten nach sich gezogen haben“, schrieb er 1793 in seinem Hauptwerk „Untersuchung über die politische Gerechtigkeit und ihren Einfluss auf die moderne Moral und die Sitten“ und weiter: „Je länger sie dauern, desto nutzloser müssen sie unvermeidlich werden. Dabei ist, sie als nutzlos zu bezeichnen, noch ein sehr schwacher Ausdruck für ihre Mängel. Sie wirken aktiv auf eine Unterdrückung der Gedankenflüge hin und fixieren den Geist in seinem Glauben an die Irrtümer vergangener Zeiten.“ Weiterlesen

anders essen

Hunger und Durst erinnern mich an Notwendiges. Kann ich mich nicht ernähren, muss ich sterben, Ende meiner Not. Viele Erwachsene meiner Kindheit hatten den Mangel an Lebensmitteln in und nach dem Zweiten Weltkrieg noch am eigenen Leib verspürt. Selbst musste ich nie hungern, weiß bis heute nur von Fotos, Filmen und Berichten davon. Weiterlesen

anders reisen

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Es war an einem späten Nachmittag Anfang November 2019. Ich saß an im „Café de France“ am Djemaa El Fna an einem kleinen runden Tisch auf der Terrasse im zweiten Stockwerk und las in den „Stimmen von Marrakesch“ von Elias Canetti. Zwischendurch sah ich hinunter auf den fiebrigen Platz und darüber hinweg zum Turm der Moschee La Koutoubia. Der vor zwei Jahren erst verstorbene spanische Schriftsteller Juan Goytisolo, ein Zeitgefährte und Freund von Günter Grass, der in den 1960er Jahren hier wohnte, im Herzen der Medina, verglich den Platz mit einem Palimpsest, eine immer wieder neu beschriebene Manuskriptseite. Weiterlesen