Etwas Lebenswichtiges, das ich meiner Mutter verdanke, ist das mit ihrem Abhandengehen hinterlassene Gefühl, den in meinem Wesen angelegten Wunsch nach Gemeinsamkeit und Vertrauen nicht an einen Menschen zu knüpfen, sondern beides in jedem Menschen für möglich zu halten, auch nach Enttäuschungen.
Hervorgehoben
DEMOKRATIE ist kein Wert an sich, WACHSTUM schon gar nicht und FREIHEIT ist eine Illusion. Ist es sinnvoll zu fragen, ob wir uns mit den drei Begriffen eine Welt vormachen, die wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat oder ob unser Gehirn aus den Informationen, die die Sinnesorgane ihm liefern, falsche Schlüsse zieht? Fatal ist eines wie das andere. Beides limitiert unsere Zukunft.
der alte jüdische Friedhof im Prager Stadtteil Žižkov
Im Prager Stadtteil Žižkov gibt es zwei jüdische Friedhöfe. Von dem großen neuen Friedhof, der 1890 gegründet wurde, belegt der jüdische Teil nur einen kleinen Bereich. Dort ist eine Gedenkstätte für die Holocaust-Opfer und auch das Grab von Franz Kafka. Davor gab es im selben Stadtteil einen jüdischen Friedhof, den ich zufällig beim steilen Abwärtsblick vom Fernsehturm entdecke. Weiterlesen
„60. Biennale die Venezia“ 4
NOCHMAL IM ARSENAL
„Everything Precious Is Fragil“ ist die Botschaft der Künstler:innen Chloé Quenum (geb. 1983), Moufouli Bello (geb. 1987), Ishola Akpo (geb. 1983) und Romuald Hazoumé (geb. 1962) aus dem wesatafrikanischen Benin. „Alles Kostbare ist zerbrechlich“ berührt mit den Themen Sklavenhandel, Amazonen, Gèlèdé-Philosophie und Vodun-Religion ihren Lebensraum. Das öffentliche Fest „Gèlèdé“ feiert mit farbenfrohen Masken und rituellem Tanz die spirituelle Kraft der Mütter. Das Motiv der Amazonen erinnert an die militärische Rolle der Frauen im Königreich Dahomey. Die Vodun-Kosmologie dreht sich um Geister und Elemente des Göttlichen, die die Erde regieren. Weiterlesen
„60. Biennale di Venezia“ 3
IMPULSE
Den Gang durch Arsenal, die ehemalige Schiffswerft von Venedig, beginne ich in der Corderie. Erbaut im 14. Jahrhundert als Seilerei, beherbert das Gebäude nun den zweiten Teil der Hauptausstellung. Am Eingang empfängt mich der „Refugee Astronaut VIII“, eine Skulptur des Britsch-Nigerianers Yinka Shonibare (geb. 1962). Der Künstler selbst sieht sich als einen „postkolonialen Hybriden“. Der Weltraum ist für ihn, ähnlich der Perspektive von Yael Bartana im deutschen Pavillon, ein möglicher Zufluchtsort für die Menschheit. „Flüchtlingsastronaut VIII“ ist eine Schaufensterpuppe aus Fiberglas, schutzlos in wachsbedruckten Baumwollstoff gehüllt. In einem Netz schleppt er auf seinem Rücken recht irdische Utensilien. Wo will er damit hin? In den Weltraum? Nicht sein Ernst? Im Kunstraum ist er schon. Eben angekommen? Aus Absurdistan? Weiterlesen