„60. Biennale di Venezia“ 1

FOREIGNERS EVERYWHERE

Zwei Jahre sind seit der 59. Biennale di Venezia und der documenta fifteen in Kassel vergangen und noch immer wirkt die Überraschung nach, mit der ich eine Kreativität erlebte, die ganz anders mit dem Leben umging. Sie widersetzte sich nicht einmal den bis dahin auch die Sphäre der Kunst mit unverschämter Selbstverständlichgkeit beherrschenden Marktmechanismen. Nahezu kinderleicht wirkte, wie der globale Süden daran vorbei Vorschläge anbot, mit denen die Welt gar nicht mehr wie auswegloses Dickicht aussah. Was für eine Provokation für den globalen Norden war „The Milk of Dreams“, das Motto in Venedig, und das Zauberwort ‚lumbung‘ in Kassel. Kann die 60. Biennale di Venezia daran anknüpfen? Weiterlesen

Hungern für die Ehrlichkeit?

ERSTE PERSPEKTIVE

Für eine überfütterte Gesellschaft ist freiwilliges Hungern eine Provokation. Von März bis Juni haben in Berlin Mitglieder der „Letzten Generation“ auf dem Invalidenplatz neben dem Wirtschaftsministerium ein Hungercamp eröffnet, um den Bundeskanzler zur Klimaehrlichkeit zu bewegen. In einer Regierungserklärung soll er anerkennen, dass

  • der Fortbestand der menschlichen Zivilisation durch die Klimakatastrophe extrem gefährdet ist,
  • der CO2-Gehalt in der Luft viel zu hoch ist und
  • jetzt radikal umgesteuert wird, um einen vom Weltklimarat vorgeschlagenen Zielwert von 0,35 ‰ bis zum Jahr 2150 zu erreichen.

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Prostata et cetera

Heute, am meteorologischen Frühlingsanfang, hat die Welt sich neu für mich aufgetan. Im Jahr 1985 ging es mir schon einmal so. Damals fuhr ich auf der Autobahn von Eisenach Richtung Erfurt und kam unterhalb der Hörselberge bei Tempo 85 von der Fahrbahn ab. Ich prallte gegen einen noch elastischen Baumstamm und mein Trabi überschlug sich und landete dahinter mit Totalschaden dachüber auf einer Wiese. Weiterlesen

Großvaters 122. Geburtstag

Heute vor 122 Jahren wurde mein Großvater geboren. Seit meinem zweiten Lebensjahr war er anstelle abhandener Eltern für mich da. Im gemeinsamen Schlafzimmer lauschte ich häufig seinem Atem und hielt den eigenen an, wenn seiner unregelmäßig wurde. Nach einer Lungenentzündung in jungen Jahren und einem Magengeschwür hatte ihm, wusste ich, ein Arzt gesagt, er dürfe froh sein, wenn er Fünfzig würde. Sechzig war er, als ich mich in Kindernächten in den Gedanken rettete, dass zum Glück die Omi noch da war. Ohne sie weiterleben wollte ich nicht. Ohne den Großvater ginge es zur Not.

Gut erinnere ich, dass er mich mitnahm oder mit hinzu, wenn er für Zuhause werkelte oder außer Haus zu verrichten oder zu erledigen hatte. Geduldig zeigte er mir Neues und ließ mir Zeit, vieles selbst zu versuchen und auszuprobieren. Dass ich akzeptierte, wenn er es eilig hatte, war nicht Gehorsam, sondern Vertrauen. Er gab mir sehr viel Sicherheit – vielleicht zu wenig Mut, mir selbst mehr zuzutrauen. Weiterlesen

„Geliebte Köchin“

1994 verfilmte Trần Anh Hùng, französischer Regisseur vietnamesischer Herkunft, schon einmal die Beziehung zweier Menschen in Zusammenhang mit einer Speise. „Der Duft der Grünen Papaya“ wurde als vietnamesischer Beitrag in der Kategorie „bester fremdsprachiger Film“ für einen Oscar nominiert und als „wunderbarer Film, intensiv und zart“ wahrgenommen. Die französische Wochenzeitung Le Nouvel Observateur feierte ihn als wahres Meisterwerk. Weiterlesen