zwei überraschende Gedichte

Einen gesellschaftlichen Diskurs anhand von Gedichten gab es in diesem Land lange nicht mehr. In einer verflachenden Sprache hielt ich ihn sogar für ausgeschlossen, und nun wagte es einer der wenigen noch verbliebenen Wortmeister, zwei Gedichte am obrigkeitsbeflissenen Mainstream vorbei ins Tagesgeschehen zu lancieren. Was für eine Überraschung! Weiterlesen →

„Randland“

„Randland“ ist der Titel eines kaum beachteten Dokumentarfilms, der am 30. Oktober beim 55. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Weltpremiere hatte. In Spielfilmlänge zeigt das Team um die Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig eine Dorfgemeinschaft im Mecklenburgischen, die aufgehört hat, an den Kapitalismus zu glauben. An seine Stelle setzt sie einen „elementaren Kommunismus“ als „Rohstoff des Zusammenlebens“, so gesehen von dem US-amerikanischen Ethnologen und Mitinitiator der Occupy-Bewegung David Graeber. Weiterlesen →

Schwachstelle

Unter der Überschrift „Weiteres Kaufhaus für sozial Schwache“ gibt die Leipziger Volkszeitung vom 13.10.2012 die Neueröffnung eines zweiten „Sozialkaufhauses“ in Leipzig bekannt. „Im August konnten wir die Räume von einem sehr entgegenkommenden Vermieter mieten, haben dann mit viel eigener personeller und gewiss auch finanzieller Kraft das Ganze für unsere Zwecke hergerichtet“, sagt der Geschäftsführer eines Vereins „Leipziger Resozialisierungshilfe“. Auf über tausend Quadratmetern werden Spielwaren, Baby- und Kinderbekleidung, Möbel und Haushaltsartikel angeboten, „teils Auktionsware, teils Artikel zweiter Wahl“. Weiterlesen →

„Mittlere Reife“

Gesetze und Verordnungen, die Arbeit und Soziales regeln sollen, befördern in diesem Land die Zweiklassen-Gesellschaft. Wie sie entsteht, zeigt der Film „Mittlere Reife“ von Martin Enlen nach einem Drehbuch von Ariela Bogenberger an den fünf Jugendlichen Isabel, Kati, Tim, Andreas und Alexander, denen ein Schulverweis ohne Bildungsabschluss droht. Weiterlesen →

„dOCUMENTA (13)“ 2

Der Shuttle-Bus fährt die Frankfurter Straße hinunter ins Fuldatal und dort zwischen Fluss und Karlsaue den Auedamm entlang bis zur überdimensionalen blauen Spitzhacke von Claes Oldenburg, die seit der documenta 7 in der Uferböschung steckt. Wieder hinauf und am Theater vorbei, fahre ich bis zum Steinweg, esse eine asiatische Nudelportion, lauwarm, weil der Imbiss einen Stromausfall hat und beginne einen zweiten Rundgang. Die Wartenden vor dem Fridericianum schlängeln sich immer noch gute einhundert Meter zwischen Kapitalismus-Gegnern und Sonnenanbetern. Hinter mir schwäbelt es. Minutenlang wird allen Ernstes die Aussprache des Gebäudenamens beratschlagt und „Frideritschianum“ in die engere Wahl genommen. Weiterlesen →