„59. Biennale di Venezia“ 3

ZEITEN WENDEN

Eine Menschenschlange wartet auf Einlass in den Pavillon Italiens. Sie reißt nicht ab, weil aller 20 Sekunden immer nur eine Person hinein darf. Auf diese Weise gehört der erste Eindruck mir allein. Das Thema des Italieners Gian Maria Tosatti (geb. 1980) ist der Aufstieg und Fall der Industrienation Italien von 1960 bis heute. Weiterlesen

„59. Biennale di Venezia“ 2

WE WALKED THE EARTH

Der ‚Goldene Löwe‘, Hauptpreis der 59. Biennale di Venezia, wird der britisch-afro-karibischen Künstlerin Sonia Boyce (geb. 1962) zugesprochen, die erste schwarze Frau, die Großbritannien auf der Biennale repräsentiert. Seit ihrer Geburt lebt und arbeitet sie in London, und lehrt dort „Black Art und Design“ an der College-Universität der Künste. Zeichnend, druckend und audiovisuell erforscht sie „die Beziehung zwischen Klang und Erinnerung, die Dynamik des Raums und die Einbeziehung des Betrachters“. Ihre Videoinstallation „Feeling her Way“ zeigt die Kraft der (schwarzen) Musik und „eine Fülle von zum Schweigen gebrachter Geschichten“. Weiterlesen

„59. Biennale di Venezia“ 1

THE MILK OF DREAMS

Mit dem Motto „The Milk of Dreams“ der 59. Biennale di Venezia müssen „die alten, weißen Männer, wie sie seit Dekaden die Biennale hegemonisieren […] mit megalomanen One-Man-Shows in diversen Palazzi um Aufmerksamkeit betteln“, schreibt sichtlich überrascht das Magazin „Kunstforum“. 202 Künstlerinnen und 21 Künstlern gibt die italienische Kuratorin Cecilia Alemani die Gelegenheit, ihre Werke zu zeigen. Weiterlesen

„documenta fifteen“ 4

VIELHEIT & GÄNZE

Lebenszeit an sich ist noch gar nichts wert. Das wird mir am letzten Tag von dem in Barcelona lebenden mexikanischen Künstler Erick Beltrán (geb. 1974) im Museum für Sepulkralkultur beigebracht. In seinem Projekt „Manifold“ („Mannigfaltigkeit“) geht er für die documenta fifteen gemeinsam mit Wissenschaftlern der Frage nach, was Macht ist. Warum ausgerechnet an diesem Ort? Die Antwort ist verblüffend: Weil die Diskrepanz zwischen unserem kurzen Dasein und dem ungeheuren Aufwand an Raum, Zeit und Materie, die es braucht, um ein Menschendasein hervorzubringen, nirgends klarer zutage käme. Weiterlesen

„documenta fifteen“ 3

STILLE KRÄFTE

In der Regierungszeit des Landgrafen Karl von Hessen entstand um 1700 in der Karlsaue ein Barockgarten mit Wasserbassins und fächerförmig angelegten Kanälen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde daraus ein Landschaftsgarten im englischen Stil. Es blieben die barocken Sicht‐ und Bedeutungsachsen, an denen sich bis heute die Parkwandler erfreuen. Weiterlesen