ZEITENWENDE

„Man hat gar keine Begriffe mehr dafür, was alles gerade in der Welt passiert.“

Sagt DIE GRÜNEN-Abgeordnete Ricarda Lang (geb. 1994) am 25.09.2025 in einem Redebeitrag im Deutschen Bundestag 

„Hast du weder den Begriff noch die Idee, bleibst du dumm und das war’s.“

Sagte 1989 Gilles Deleuze

Ist es klug, die eigene Unabhängigkeit als persönliche Freiheit zu feiern? Meist fußt sie doch nur auf einem Anschein und ist in Wirklichkeit ein oberflächliches Wunschdenken. Es ist nicht nur närrisch, ohne Geben und Nehmen leben zu wollen, sondern unmöglich. Um mich mit dieser Einsicht so entwickeln zu können, dass ich fähig für den Austausch mit der Welt werde, braucht es andere Begriffe als diese zwei missverständlichen.

WOHIN MIT DEM KULTURGUT?

In einer filmischen Dokumentation über den tunesischen Musikstil Stambali, auch Stambeli, der als Teil einer religiösen Zeremonie in Zeiten entstand, als es schwarzafrikanische Sklav:innen in Tunesien gab, sagt heute der Musiker und Ethnomusikologe Mohamed Kachnaoui:

„Meiner Meinung nach darf man nicht mit der Vorstellung verhaftet sein, dass der Stambeli als Kulturgut bewahrt werden muss. Um ihn lebendig zu halten, darf man ihn nicht in einen Käfig sperren, sonst riskiert man den Stillstand. Man muss diese Musik spielen, den Stambeli praktizieren. So einfach ist das.“

Museen als Kulturgutretter: So einfach ist das nicht.

„Die Generation meiner Kinder wird leider die volle Wucht der kommenden Stürme abbekommen, und ich würde es sehr begrüßen, wenn meine Generation weniger Energie darauf verwenden würde, sich wegen der Vergangenheit schuldig zu fühlen, sondern die Energie nutzen würde, um mehr Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.“

Sagt die italienische Schriftstellerin Francesca Melandi (geb. 1964) im „Amnesty Journal“ 02/25

MENSCHLICHES

Mit jedem Krieg wird das Menschliche fortgeschrieben. Das ist insofern ent-täuschend, als es nicht weiter das vor-täuscht, was wir in guten Momenten (in denen es uns vor allem selbst gut geht) für menschlich halten, sondern was der Wirklichkeit, die wir seit Menschengedenken erleben, nahe kommt.