Besitzverhältnis

Wir alle besitzen die ganze Natur, den Sternenhimmel und die Erde mitsamt allen ihren Landschaften. Sobald wir aber unser Besitzergefühl auf ein paar Hektar Land beschränken, gehört uns von alledem nichts mehr“, sagt Ernesto Cardenal, der weise nicaraguanische Priester, Politiker und Dichter und dem, der sich mit irgendeiner Besitzurkunde in die Höhe reckt, dass er „damit nichts anderes als einige Seiten Papier mit ein paar bürokratischen Spitzfindigkeiten“ in Händen hält. Sind es wirklich nur Mogule, Tycoone, Magnaten und Staatsführer, die in ihrer Einfalt gern etwas vom großen Ganzen für ihre armseligen Ansprüche absondern, weil sie sich einbilden, so und nur so glücklich zu sein? Sind wir nicht selbst auf solch sinnlosen Besitz aus?

schöne Bescherung

Was will ich heute, wo es weihnachtet, noch von einem Looser wissen, der sich „Hans im Glück“ nannte – oder genannt wurde? Looser in Zeiten, als die Uhren und mit ihnen die Menschen so zu ticken begannen wie ich. Lieber eschere ich mich ab, um alle Jahre wieder für ein paar Stunden erfüllt von Lichterglanz und Gabentisch zu sein. Was hätte mir in meiner Mühe da dieser Einfaltspinsel zu sagen, dem, nach sieben fremdbestimmten Jahren mit einem märchenhaften Klumpen Gold belohnt, nichts anderes einfiel, als sich seiner wieder zu entledigen, anstatt ihn eiligst nach Hause zu schleppen. Zuletzt dankt er Gott „mit Tränen in den Augen“ und kommt, angeblich froh und glücklich wie sieben lange Jahre nicht, daheim bei Muttern an. Weiterlesen

Fluchtversuch?

Ich war Zwanzig, als ich am 21. Juli 1969 in der Morgendämmerung in der Zwickauer Wohnung der Großeltern vor dem Fernseher saß und auf dem grieseligen Fernsehbildschirm den ersten Schritt eines Menschen auf dem Mond folgte. Bis heute kann ich diese Momente noch nachempfinden. Über die irdischen Grenzen hinweg verspürte ich kosmische Weite und teilte sie wenig später in einem Gedicht mit einer Dresdener Brieffreundin, die Helga hieß. So begann es:

einen stern für dich / will ich finden, der / uns wahrheit offenbart / lügen lügen straft / ohne zu entzweien / und uns aufbewahrt //

Es war der Wunsch nach einem sicheren Bezugspunkt, den ich in der irdischen Umgebung noch nirgends gefunden hatte. Dachte Neil Armstrong auf dem Mond ähnliches, als er sagte: „That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“ („Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit.“)

Waren das Worte der Hoffnung? Ich wusste damals noch nichts vom Club of Rome und seinem Gründer, dem Italiener Aurelio Peccei, der 1968 eine Zeitenwende in der Geschichte der Menschheit entdeckte und nach Ursachen und Beweisen für ein rasant wachsendes Ungleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu suchen anfing.

War diese Gleichgewichtsstörung, die der Konflikt zwischen einem endlichen irdischen Le-bensraum und einer wachstumsberauschten Menschheit am Ende bedrohlicher als die atomare Auslöschung durch immer neue Rüstungsrunden der Russen und Amerikaner, die  meinen Nachtschlaf zerwühlten?

So weit dachte ich während Armstrongs Mondgang und seinem viel zitierten Satz noch nicht, doch hatte ich bei diesem faszinierenden Ausflug auch ein mulmiges Gefühl. Sollte meine Zukunft in so weiter Ferne liegen? War der Mondflug gar ein Fluchtversuch? Vor den irdischen Gefahren?