Noch stehe ich aufrecht. Noch laufe ich auf diesem unfassbar lebensfreundlichen Planeten umher. Noch kann ich – vielleicht ist das das größte Wunder überhaupt – die Welt um mich herum erkennen und begreifen und verstehen, das Einzigartige und das Törichte. Zum Beispiel meinen Lebensraum freiwillig einzuschränken. Zum Beispiel mich abzugrenzen, in ihm und von meinesgleichen.
Stattdessen könnte ich, so wie ich ausgestattet bin, so abhängig und so verletzlich, mich vergewissern, dass ich diesen Lebensraum niemals beherrschen kann und Vernunft erst einen Sinn bekommt, wenn ich die Balance behalte. Bisher, ein paar zigtausend Jahre lang, ist das nicht mehr als eine Möglichkeit. Sie in die Wirklichkeit zu holen, wird erst gelingen, wenn ich damit aufhöre, Wachstum in Auswüchse zu steigern und mein Leben auszukosten, statt andere zu beköstigen.
Wird mir das noch gelingen? Mich von Gier und Willkür und Beliebigkeit befreien? Zum Beispiel mit Hilfe der Mathematik. Auf seltsame Weise wohnt sie der Natur inne, eröffnet mir die Möglichkeit der Vergewisserung. Von den vier Grundrechenarten ist es das Teilen, das mir schon in der Kindheit die Spur zu weiterführender Erkenntnis legte. Später war es die Exponentialfunktion, die mir zeigte, dass jedes Wachstum, wenn ich es entgrenze, an einer Exponentialfunktion haftet und alles, was davon nicht loskommt, sich selbst zerstört.