indelible

73-72-75-69 ist keine Rufnummer, sondern die aktuelle Alterskennung von Mick Jagger, Keith Richard, Charly Watts und Ron Wood. Acht Jahre liegen zwischen ihren Konzertfilmen „Shine a Light“ von Martin Scorsese und „Havana Moon“ von Paul Dugdale. Beide Male lösen die vier Rock-Giganten die Spuren der Zeit in ihren Gesichtern spielend mit ihrem Charisma und einer grandiosen Performance auf.

2008 kamen Scorsese die in die Jahre gekommenen Weltstars gerade Recht, um „auch sich selbst noch als tatkräftigen alternden Künstler zu inszenieren“, wie der „Tagesspiegel“ damals schrieb. Unverkennbar ist der Vermarktungswille des Regisseurs. Als Dokumentarfilm angekündigt, wollte er angeblich eine neue Perspektive auf die Band erschließen. Gelungen ist das nicht, wenn überhaupt gewollt, und was das Ehepaar Clinton in einem Film über die „Rolling Stones“ zu suchen hat, ist bis heute sein Geheimnis. Als Konzertfilm ist der Film respektabel, wofür er wiederum nichts kann. Vielleicht war die Idee, die Rock-Legenden während des Drehs mit einer Heißlicht-Installation in Flammen aufgehen zu lassen. Auch das misslang ihm mit den Hartgesottenen.

Der Werbefilmer Dugdale hingegen versteht etwas von Musik. Er vermeidet den Fehler Scorseses, mit filmischer Finesse und technischem Know How in einer Materialschlacht die Magie der Musik auf eine Leinwand zu bannen. Bedacht wählt er das Flair der von den unverschämten Heimsuchungen der Großmacht USA geplagten Hauptstadt Kubas und den unauslöschlichen Zauber seiner Menschen als Background für einen dem Zugriff der Musikindustrie noch immer entzogenen Insel.

Geschickt vermeidet er Barak Obama, der in jenen Tagen als guter Onkel in Havana einzieht, um nach Jahrzehnte andauernden Embargos und Schikanen durch die USA und ihre Vasallen ein albernes Friedensfähnchen zu schwenken. Ebenso knapp verfehlt Dugdale an diesem 25. März den Vollmond, entdeckt aber mit der Kamera eine Ort, wo Musik noch aufbringt und in Resonanz die Herzen.

Niemand hat anderes erwartet, als dass der Band Sympathie und Begeisterung wie eine warme Woge entgegen rollt. Hinzu kommt aber, dass diese sich auf einmal, hier an diesem Ort, daran erinnern, weswegen sie jahrzehnte auf Bühnen stehen und Stadien füllen. Das hier ist der Grund und zugleich ihr Lebenselixier. Da kann es schon geschehen, dass Mick Jagger – erinnernd an den des Russischen mächtigen ‚Ausländers‘ Voland im Roman „Der Meister und Margarita“ – auf einmal fließend spanisch spricht.

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