im Zeittunnel

Beim morgendlichen Jogging dachte ich von einer bestimmten Stelle an konzentriert über etwas nach. Erst als ich damit zu Ende war, wurde mir die Strecke bewusst, die ich inzwischen zurückgelegt hatte. Auch die vergangene Zeit hatte ich nicht verspürt. Ich kam mir vor wie im nächsten Augenblick.

Ähnliches geschieht, wenn ich konzentriert an einem Text arbeite. Plötzlich sind zwei oder drei Stunden vorüber, die mir im Nachhinein nicht mehr bewusst sind. Ich habe das erst mit der Relativität der Zeit erklärt, denke aber jetzt, es ist ein ganz anderes Phänomen.

Entsteht nicht die Verwirrung über die Diskrepanz zwischen subjektiv empfundener und objektiv gemessener Zeit wegen einer unklaren Begrifflichkeit? Während Physikern die Worte Sekunde oder Stunde ein Maß für eine konkrete physikalische Größe sind, ist für mich Zeit ein Begriff, den ich mit einer Empfindung verbinde. Über Zeit als physikalisches Phänomen mache ich mir ebenso wenig Gedanken, wie über das Zeitgefühl von anderen Lebewesen. Auch nicht, ob die Zeit dem Raum anhaftet oder ob sie aus ihm hervorgeht, so wie das Denken aus meinem Gehirn.

Offenbar verliert sich mit meiner Konzentration auf etwas die Wahrnehmung meiner Umgebung. Ich fühle mich dann wie in einem Tunnel, der sie ausblendet und mit der wirklichen Umgebung auch mein Zeitgefühl für sie. Ähnlich ergeht es mir bei starken Gefühlen und intensiver Gemeinsamkeit. Dann spüre ich, wie einen Hauch, eine Erfülltheit, die sich anfühlt wie ein Überall zugleich. Haucht die Ewigkeit mich an? So angehaucht komme ich wieder zurück, werde ich der Wirklichkeit um mich herum wieder gewahr. Und einer neuen Frage:

Kann es sein, dass in der Welt der kleinsten Teilchen und Energieportionen und in der Welt des Kosmos vielleicht ein Weltverständnis existiert, das etwas Ähnliches entstehen lässt, wie mein Zeitgefühl? Und könnte dieses Ähnliche eventuell die an meinem Leben orientierten Zeitmaße von einer Milliardstel Sekunde und Milliarden von Jahren, von Augenblick und Ewigkeit auflösen?

Kann es sein, dass ich mir das vorstellen kann? Kann es sein, weil ich es mir vorstelle?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert