„der tatbestand gottes“ ist das titelgebende Gedicht in einer Auswahl, die ich 2003 veröffentlichte:
sofern noch / zweifel / bestünden // am tatbestand / gottes / vergingen sie // an der / unmenschlichen / lust // an der / eigenen / schöpfung//
Einen Schöpfungswillen kann ich mir nicht vorstellen, eine Schöpfungskraft erklärt sich aus sich selbst heraus, aus der Wirklichkeit, die ich auch Natur nennen kann und die natürlich nicht davon abhängt, was ich von ihr wahrnehme. Jetzt lese ich:
„Wir leben in einer Kultur historisch beispielloser Aneignung, in der wir ständig aufgefordert werden, irgendetwas zu erwerben – und das auch häufig können. Wir werden aufgefordert, uns darüber zu definieren, was wir haben: Eigentum, Geld, Views und Likes. Aber unser wahres Ich zeigt sich darin, was wir loslassen.“
Es steht in dem 2019 erschienenen Buch „Wir sind das Klima“ des US-amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer. In einem Vortrag aus dem gleiche Jahr sagt der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther:
„Ein Wirtschaftssystem, was auf Wachstum ausgerichtet ist und was vom Konsum der Leute lebt, kann nur funktionieren, wenn die Leute immer blöder werden.“
Es scheint, dass dieser und andere Befunde erst der Anfang eines UnSinns sind, der gar nicht schrecklich genug sein kann, Menschen zu veranlassen, ihn vehement in Taten zu verwandeln. Da ist es doch unerheblich, ob sie sich am Ende, wie in Spiegeln, selbst ansehen oder als Tatwerkzeug eines Geschehens, das ich grandios oder obskur oder seltsam oder einfach nur unerklärlich nennen kann?