Irritation

„Wenn diese Tendenz erhalten bleibt, so haben die Experten Klimatologen ausgerechnet, werden wir in den kommenden Jahrzehnten eine Aufheizung der Erde um zwei, drei, vielleicht sogar bis fünf Grad erleben. Die Wüstengebiete werden sich ausdehnen, werden wandern. Die Polkappen werden abschmelzen. Der Wasserspiegel wird ansteigen. All das wirkt jetzt noch wie ein Szenario aus einem Sience Fiction Roman, von einer wüsten Phantasie ausgedacht. Unsere Kinder, spätestens unsere Enkelkinder werden erfahren, dass das mehr ist.“

Das sagte der deutsche Psychiater, Neurologe und Publizist Hoimar von Ditfurth (1921 bis 1989) im Jahr 1978 in einer Fernsehsendung, die sich mit dem damals schon erkannten auffälligen Temperaturanstieg an der Erdoberfläche befasste. Ditfurths „mehr“ ist weniger.„Wenn wir von unserem Großhirn, wenn wir von dieser Einsichtsmöglichkeit nicht in absehbarer Zeit Gebrauch machen, wird es uns in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Dann werden wir ausgestorben sein, wie unendlich viele Arten vor uns und sicher auch noch in Zukunft. Dann wird die Geschichte der Menschheit in der Biosphäre und im Kosmos eine vorübergehende Episode sein. Dann werden auch wir zugrunde gegangen sein, obwohl wir als erste Lebensform auf der Erde die Chance gehabt hätten, dem Verderben zu entgehen.“

Dankenswerterweise hat eine aktuelle Folge der seit 1999 auf 3sat ausgestrahlten Fernsehserie „nano“ Hoimar Ditfurths damalige Ankündigung jetzt wiederholt. Weshalb von so fern her? Liegt es an der Wirklichkeitsnähe der ditfurthschen Wahrnehmung? Liegt es an unserer Neigung zum Episodischen? Genetisch bedingt? Sind wir der Seßhaftigkeit grundsätzlich abhold? Ist es vielleicht gar keine Chance, die Ditfurth der Menschheit zuliebe gern ergriffen hätte, sondern ein sehr natürliches Phänomen, dass unser Gehirn gar nicht versagt, sondern die ihm von Natur her zugedachte Rolle spielt? Da spielt aber niemand und nichts und schon gar nicht wird, was sich tut, was wir tun, von außer uns ‚gedacht‘.

Und welches Verderben denn, lieber Herr Ditfurth? Als kämen mit unserem Verschwinden nicht so viele neue Chancen auf Leben hervor? Inszenieren wir unser Verschwinden nicht gerade als Flucht? Schon wieder ‚Theater‘, schon wieder ‚Spiel‘. In ernster Lage, wenn wir uns ernst nehmen. Nehmen würden.

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