Soll ich die Wahrheit sagen, wenn ich gefragt werde, ob es mir gut geht? Ist diese Frage eine Zumutung? Eine Nötigung gar, wenn es mir tatsächlich nicht gut geht? Meist ist sie ja Auftakt für einen gewünschten Smalltalk. Dann ist es ganz einfach. Ist mir eine oberflächliche Konversation in dem Moment recht, brauche ich nur zu schwindeln. Wenn nicht, reicht die Wahrheit aus, und mein Gegenüber wird wahrscheinlich gleich wieder Abstand von mir nehmen. Ein Problem habe ich allerdings, wenn ich aus Empathie gefragt werde und ehrlich sein oder nichts erklären will. Ein Problem mit mir.

„Der Imperativ der Evolution ist nicht: ‚Bau dir deine Welt so, dass sie mit der Realität im Einklang steht!‘, sondern: ‚Bau dir deine Welt so, dass du damit deine Überlebens- und Reproduktionschancen maximierst!‘“

Philipp Sterzer, Neurologe, in „Die Illusion der Vernunft. Warum wir von unseren Überzeugungen nicht zu überzeugt sein sollten“

Gäbe es Gottheiten und unter ihnen solche, die trennen, die eines gut heißen und anderes schlecht, eines begünstigen und anderes bestrafen, scheint unsere Spezies ihre Höchststrafe zu sein.  

Klarheit und Wahrheit sind die Lieblingstöchter der Aufklärung. Sie ist aber auch die Mutter der Belehrung und der Besserwisserei.

„Es gibt nur ein Gesetz, das alle Menschen verbindet, ein oberstes Prinzip nur, das für alle Beziehungen auf Gottes grüner Erde gilt: es wandeln die Schwachen den Starken in den Rachen.“

Dr. Henry Goose, Arzt in der Verfilmung des Romans ‚Cloude Atlas‘ von David Mitchell.