keine Wahl

Ich habe keine Wahl.

Obwohl sich 34 Parteien für den nächsten Bundestag zur Wahl stellen, denke ich, ich habe keine, empfinde die Vielfalt als vorgetäuscht und die Wirklichkeit als eine andere. Als eine Armut-Reichtum-Schere, die immer weiter aufgeht. Käme ein landesweiter Mindestlohn, ist die Höhe, die in Rede steht, wohl eher eine Demütigung, anstatt dafür zu sorgen, dass Ungleichheit nicht weiter wächst. Auch deutet in den Wahlprogrammen wenig darauf hin, dass die Durchlässigkeit der sozialen Schichten im Mittelpunkt steht, denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft sich zu einer stabilen Gemeinschaft entwickelt. Weiterlesen

„Conceptual Monument“

Auch in Staaten, die sich als Demokratien bezeichnen, sind Nationaldenkmäler seltsame Erscheinungen. Der US-amerikanische Sprachwissenschaftler, politische Publizist und Aktivist Noam Chomsky nennt zwei Ansätze für Demokratie. Einer „geht davon aus, dass in einer demokratischen Gesellschaft die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich auf sinnvolle Weise an der Regelung ihrer Angelegenheiten zu beteiligen“. Der andere „besagt, dass die Bevölkerung von der Regelung ihrer Angelegenheiten ausgeschlossen und der Zugang zu den Informationsmitteln streng begrenzt und kontrolliert werden muss.“ Letzteres ist der Ansatz für die parlamentarische Demokratie. Weiterlesen

Hitler und die Transhumanisten

Haus der Wannsee-Konferenz“ heißt heute die luxuriöse Villa des Pharmafabrikanten Ernst Marlier, vor dessen Mixturen im Jahr 1907 das Berliner Polizeipräsidium warnte, weil sie „nicht diejenigen Eigenschaften besitzen, die ihnen in den Anpreisungen zugeschrieben werden“. Dessen ungeachtet verhalf die reichsdeutsche Kundschaft dem Quacksalber zu einem 30 000 Quadratmeter großen Grundstück am Berliner Wannseeufer. Fortgesetzter krimineller Machenschaften überführt und verurteilt, sah er sich allerdings gezwungen, das Anwesen wieder zu veräußern. Weiterlesen

Jagdszenen im Überfluss

Kürzlich wurde mitten in Leipzig mit großem Bohei ein neuer Konsumtempel geweiht. „Höfe am Brühl“ ist der Name der rund 240 Millionen Euro teuren Shopping-Mall, die sich nun amortisieren muss. 115 000 Konsumenten ließen sich am Eröffnungstag anlocken, 500 000 in den ersten sechs Tagen. „Wir haben mit den Höfen offenbar den Geschmack der breiten Öffentlichkeit getroffen“, wird der Centermanager in der regionalen Presse zitiert. Viele der rund 120 Geschäfte seien von den Kunden regelrecht überrannt worden, heißt es. Der Umsatz wird verschwiegen. Woher soll er auch kommen, wenn die Finanzkraft der euphorisierten Menge nicht mithalten kann? Weiterlesen

Fluchtversuch?

Ich war Zwanzig, als ich am 21. Juli 1969 in der Morgendämmerung in der Zwickauer Wohnung der Großeltern vor dem Fernseher saß und auf dem grieseligen Fernsehbildschirm den ersten Schritt eines Menschen auf dem Mond folgte. Bis heute kann ich diese Momente noch nachempfinden. Über die irdischen Grenzen hinweg verspürte ich kosmische Weite und teilte sie wenig später in einem Gedicht mit einer Dresdener Brieffreundin, die Helga hieß. Die erste Strophe hieß: einen stern für dich / will ich finden, der / uns wahrheit offenbart / lügen lügen straft / ohne zu entzwein / und uns aufbewahrt“. Weiterlesen