unvorstellbar

Pflichtbewusst will Bundestrainer Jogi Löw mit seiner Mannschaft den Weltmeistertitel verteidigen. Sehe ich sein Gesicht, ist das für mich unvorstellbar. Abgesättigt ist der Blick, routiniert, ohne Abstand zu sich selbst, erloschen ein Feuer von innen heraus.

Die letzten Spiele der Nationalelf gingen schematisch und ohne zündende Ideen über den Rasen, ohne Leichtigkeit des Seins. Ein zum Windhauch abgeschwächtes „Wir schaffen das“ wird auf dem Rasen sicherlich kein Sturm mehr und das sartre’sche „gemeinsame Individuum“, das die Summe elffachen Einzelkönnens übertreffen könnte, nicht entstehen.

Der Fußball, die Spielweise der Nationalmannschaft, bildet aber auch den Zustand der Gesellschaft ab. So kam der Autor und Politikwissenschaftler Norbert Seitz dem Phänomen der strategischen und charakterlichen Übereinstimmung von Bundeskanzler und Nationaltrainer in der Bundesrepublik auf die Spur.

Mit Konrad Adenauer und Sepp Herberger, zwei Katholiken mit adäquat nazifreundlichen Bioografien in der Hitlers Großdeutschland, mit Helmut Schmidt und Helmut Schön als „Mischtyp des disziplinierten leitenden Angestellten“ und mit Helmut Kohl und Jupp Derwall, beide „Repräsentanten jener nachkriegsdeutschen Sekundärtugenden, die hierzulande in der Regel den Erfolg garantieren, Ellbogen plus Sitzfleisch“, entdeckte er kongeniale Paare.

Diese Kohärenz setzt sich mit Angela Merkel und Jogi Löw nahtlos fort. Es ist ein zunächst erfolgreiches Ausspielen individueller Fähigkeiten, der beide punkten und siegen lässt, worauf nicht Demut folgt, sondern Selbstgefälligkeit und schließlich ein ängstliches Anklammern an alre Erfolge und bis dahin Bewährtes. So wird das aber nichts.

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