Klimastreik in Leipzig

Zum ersten Mal weltweit sammelten sich am 15. März Hunderttausende, um den im letzten Herbst von dem schwedischen Teenager Greta Thunberg erfundenen Schulstreik für das Klima zu multiplizieren. Streiken für die eigene Zukunft und gegen eine Erwachsenenwelt, die sich zumeist für das eigene Wohlergehen im Augenblick interessiert.

300 000 Teilnehmer in 1600 Städten in mehr als 100 Ländern werden es, von Melbourne bis Madrid, von Kapstadt bis Köln, in Paris, London, Wien, Kopenhagen, Stockholm. In Berlin werden 20 000 geschätzt und 20 000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichneten ein Papier, das dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck verleiht. Eltern stellen sich mit „Parents for Future“ an die Seite ihrer Kinder.

In Leipzig versammeln sich 2000 auf dem Richard-Wagner-Platz. Die Leipziger Volkszeitung hält sich zurück. Schule schwänzen für das Klima? Darf man denn das in einer freiheitlichen Demokratie? Angela Merkel soll das Engagement der jungen Menschen gelobt haben. Christian Lindner ist gegen Klimaproteste.

Eine Fünfzehnjährige aus der neunten Klasse der Louise-Otto-Peters-Schule engagiert sich im Organisations-Team der Leipziger FFF-Gruppe. Ihre letzte Unterrichtsstunde am Freitagnachmittag hat die Klimaaktivistin verpasst. Ihre Eltern schrieben ihr eine Entschuldigung. Von den Lehrern habe sie viel positives Feedback bekommen. Der Direktor sei stolz, aus seinen Vorschriften eine ausnahmsweise Gestattung ihres Fernbleibens vom Unterricht herauslesen zu können. „Eine pauschale Freistellung von Schülern halte ich aber nicht für wünschenswert.“

„Man kann auch im Schulunterricht Umweltprojekte umsetzen“, tönt ein Verwaltungsbeamter für Schule und Bildung. Der sächsische Kultusminister Dirk Reelfs pocht auf die Schulpflicht.

Den Unterrichtsstoff jener Stunde wird sie, sagt die Schülerin, selbstständig aufholen. Es hätte ja der „GEO-6-Bericht“ der Vereinten Nationen sein können, denke ich und gleichzeitig: träum weiter.

 

Der Geo-6-Bericht

untersucht die fünf Kernbereiche Atmosphäre, Artenvielfalt, Trinkwasser, Ozeane und Landflächen. Atmosphäre und Artenvielfalt sind schon spürbar vom Klimawandel betroffen. Mehr als ein Viertel der Wirbellosen Arten sind vom Aussterben bedroht. Vorzeitige Todesfälle aufgrund von Luftverschmutzung werden auf sechs bis sieben Millionen Menschen jährlich geschätzt. In Ländern mit schneller Urbanisierung sind die Menschen vom Feinstaub betroffen und drei Milliarden, die zum Kochen, Heizen oder für Beleuchtung Brennstoffe wie Holz, Kohle, Dung oder Petroleum anzünden.

Im Bericht steht auch, dass etwa durch die internationale Ächtung mancher Chemikalien oder durch Vorschriften zur Luftreinhaltung in den Industrieländern manches getan worden ist, allerdings werden diese Fortschritte durch größere Verschlechterungen in anderen Bereichen zunichte gemacht, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern und in schnell wachsenden Städten. Der Ausstoß von Treibhausgasen wächst mit der Zahl der nationalen Klimagesetze und hat sich zwischen 1998 und 2010 verfünffacht.

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