*/-_I·: gendern

Ja, ich gendere. Als ob ich damit etwas ändere. „Eingriffe in die Sprache reichen in die tiefen Schichten des Zusammenlebens hinein“, schreibt der deutsche Erziehungswissenschaftler Peter J. Brenner aktuell in einem Essay zum Gender-Thema. Jedenfalls ist Gleichheit im Zusammenleben der Menschen eine Illusion wie eh und je. Aber ich fühle mich unter Menschen am wohlsten auf Augenhöhe.

Obwohl sich die Welt aus meiner Perspektive um mich dreht. Eine Einbildung, die es bleiben wird, solange mir die Vorstellungskraft fehlt, dass das acht Milliarden Menschen ganz genauso geht. Acht Milliarden Weltmittelpunkte hat die Welt, mindestens.

Tatsächlich geht es, wenn es um mich geht, darum, wie ich in all den Ego-Zentren zurechtkomme. Ihre Schrecken werden sie vermutlich erst verlieren, wenn ich verstehe, dass ich allein nicht leben kann und ohne ein weiteres Menschengeschlecht gleich garnicht. Männliche Hybris ist kein natürliches Phänomen, sondern kultureller Irrsinn.

Gendern ist nicht mehr und nicht weniger als ein Versuch, diesen Irrsinn anzusprechen. Im Deutschen ist das durch Beidnennung, Neutralisierung und eine Reihe von Gender-Zeichen möglich.

Die Beidnennung schreibe ich gern aus („Dichterinnen und Dichter“). Die alternativen Verkürzungen mittels Schrägstrich oder Binnen-I („Politiker/-innen“ oder „PolitikerInnen“) gefallen mir weniger.

Neutralisierung bedeutet, das männliche, weibliche und inzwischen anerkannte diverse Geschlecht zu neutralisieren oder zu substantivieren („Haushaltshilfe“ oder „Mitwirkende“).

Als Gender-Zeichen sind derzeit Stern, Unterstrich, Doppelpunkt und Mediopunkt („Expert*innen“, „Expert_innen“, „Expert:innen“ und „Expert·innen“) im Umlauf. Eine Untersuchung der Duden-Redaktion und des Instituts für Deutsche Sprache im Jahr 2021 ergab, dass das Stern-Zeichen das am häufigsten verwendete Gender-Zeichen ist, gefolgt von Binnen-I, dem Unterstrich und dem Doppelpunkt.

Ich verwende den Doppelpunkt am liebsten. Verwendet wird er bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. In den Dialogen Platons grenzt der Doppelpunkt einzelne Sprechende voneinander ab. Heute steht er im Deutschen vor einer Aufzählung, einem Zitat oder einer wörtlichen Rede. Erklärungen und Zusammenfassungen werden von ihm eingeleitet.

Der Doppelpunkt trennt und betont. In der Mathematik ist er das Geteiltzeichen („4 : 8“, gesprochen: „4 geteilt durch 8“). Trennzeichen ist er in Mischverhältnissen („2 : 1“, gesprochen: „2 zu 1“) und in Uhrzeiten („20:15 Uhr“, gesprochen: „20 Uhr 15“). Auch Spielstände werden häufig mit einem Doppelpunkt geschrieben („21:17“, gesprochen: „21 zu 17“).

In Schweden und Finnland kann der Doppelpunkt in Preisangaben an die Stelle des Dezimalkommas treten, im Englischen trennt er Buch und Vers in Bibel-Verweisen.

Beim gendern fügt der Doppelpunkt sich ein, um männliche Hybris auszuschließen. Für mich ist das ein gutes Zeichen.

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