Im Nachhinein scheint vieles folgerichtig, anderes absurd. Im Vorhinein kommt mir vieles, was dann geschieht, unwahrscheinlich und unvorstellbar vor. Ergibt sich denn die Zukunft nicht aus der Gegenwart? Oder berücksichtige ich in meinen Erwartungen für die Zukunft zu wenig die Vergangenheit? Oder sehe und verstehe ich von der Gegenwart zu wenig?
Vermutlich bin ich gar nicht in der Lage, das, was soeben ist, in seiner Komplexität auch nur annähernd zu erfassen und werde es wohl niemals sein. Jedenfalls nicht in lebenswichtigen Angelegenheiten wenigstens so weit, dass ich eine brauchbare Vorhersage darüber, was kommen wird, zustande bringe.
Oder gaukeln bereits meine Sinne mir das, was ich für Wirklichkeit halte, vor? Täuschen sie sich? Täuschen sie mich, also mein Gehirn, sozusagen naturgegeben, weil es ja vollkommen auf sie angewiesen ist? Liegt es an der subjektiv einmaligen Perspektive, denn kein Blicken, Hören und so weiter kann objektiv im selben Moment einem anderen gleichen? Oder macht das Gehirn mit dem, was ihm meine Sinne zuspielen, eine Welt für mich so zurecht, dass es – aus meiner Perspektive – noch eine Chance auf eine Weile Weiterleben hat?
Wie heikel und unsicher dieses Weltbild in jedem Moment bleiben muss, lässt mich eine Fehlkonstruktion der Natur vermuten. Das würde manches Dilemma meiner Spezies erklären. Ich kann aber auch eine Erklärung finden, die meine Vorstellung von Vernunft bei Weitem übertrifft. Nämlich dann, wenn ich die Frage verabschiede, ob ich an diesen Widersprüchlichkeiten etwas ändern kann. Wahrscheinlich nicht. Doch was ist, wenn ich hinnehme, dass es gar keine sind, weil eine weder entstehende noch vergehende Natur, dieses für sie Wesentliche nur behält, wenn alles ihr Innewohnende vergänglich ist. Und hinnehme, dass das für mich unfassbar ist und ich andere Worte als ewig und unendlich gar nicht finden muss und, wenn ich ehrlich bin, zum Leben gar nicht brauche. Schon gar nicht, was ich ‚Verstand‘ nenne oder ‚Vernunft‘.
Davor steht aber noch die Frage, ob ich meine Lebenslage überhaupt verändern will. Will ich denn nicht möglichst einverstanden sein mit mir und der Welt und meiner Unzufriedenheit? Was hätte ich denn sonst zu tun? In einem lebenslänglichem Einklang würde ich doch jeden Sinn verlieren, genauso wie bei außergewöhnlichen Quantensprüngen meiner Intelligenz jeden Halt. Das ist mein Argument für Demut und der Impuls, mich und meine Umgebung im Vorhinein bei mir und bei sich zu belassen.