GERTIE TESCH: Gibt es wieder Krieg in Europa?
SELBST: Wenn ich dem US-amerikanischen Ex-Vize-Finanzminister Paul Craig Roberts zuhöre, hat die US-Regierung nichts anderes im Sinn.
Seit wann?
Roberts Äußerungen liegen ein Jahr zurück. Damals hatte Putin schon die Krim besetzt, die Washington mit Hilfe der Ukraine gern unter Kontrolle gebracht hätte, um „Russland seiner ganzjährig nutzbaren Marineanlagen am Schwarzen Meer zu berauben“. Roberts spricht von „Washingtons vermurkstem ukrainischen Staatsstreich“ und dass „wie die Krim die östliche Ukraine aus ehemals russischen Gebieten besteht, die Chruschtschow in den 1950ern der Ukraine angeschlossen hat“. Dort ist für Roberts der Anfang.
Und weiter zurück?
Zum Beispiel bis zur Februarrevolution 1917. Bis dahin gab es Versuche, eine ukrainische Nation zu schaffen, den kurzen Versuch eines Nationalstaats gegen Ende des Ersten Weltkrieges. Danach beanspruchte Polen Teile des Gebietes, das dann auf Polen, Rumänien, die Tschechoslowakei und die Sowjetunion aufgeteilt wurde. Der Hitler-Stalin-Pakt veränderte das wiederum, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die gesamte Ukraine von der Sowjetunion übernommen. Noch im Oktober 1945 war die USSR, die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik, Gründungsmitglied den Vereinten Nationen. Zu dieser Zeit war die Krim Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. Dann nahm sie sich der Ukrainer Chruschtschow zur Brust und erklärte sie zum USSR-Gebiet.
Oje.
Genau.
Immer diese Machtinteressen, denen Stämme und Völker und Ethnien ausgeliefert sind.
Das ist die Krux. Geht dabei die Balance verloren, gibt es Krieg. Immer wieder.
Noch ist es nicht soweit. Und morgen?
Morgen kommt kein Weihnachtsmann.