„Earth for All: A Survival Guide for Humanity“

Eine Studie des Club-of-Rome fordert jetzt drastische Schritte für eine lebenswerte Zukunft und stellt zwei realistische Szenarios vor.

Das erste ist mit „Zu wenig, zu spät“ benannt. Darin setzt die Welt die Wirtschaftspolitik der letzten 40 Jahre fort. Während das BIP weiter wächst, werden die Reichen reicher, während die Armen weiter zurückfallen. Das führt zu extremen Ungleichheiten und wachsenden sozialen Spannungen innerhalb und zwischen den Ländern. „Politische Spaltung und fehlendes Vertrauen machen es immer schwieriger, klimatische und ökologische Risiken anzugehen. Die globalen Temperaturen steigen bis zum Jahr 2100 auf etwa 2,5 °C und übertreffen damit das im Pariser Abkommen festgelegte Ziel deutlich. Die ärmsten Volkswirtschaften sind mit den extremsten Bedingungen konfrontiert. Sie haben Mühe, sich an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Später im Jahrhundert werden etwa zwei Milliarden Menschen in Gebieten leben, die an der Grenze der menschlichen Bewohnbarkeit liegen. Alle Gesellschaften werden von rollenden Schocks extremer Hitze, Dürre, Ernteausfällen und Überschwemmungen heimgesucht.“

Wird dieser Weg eingeschlagen, zeigt das Modell selbst in wohlhabenden Regionen einen Rückgang des Wohlbefindens um durchschnittlich 40 Prozent bis 2050. Bis dahin wird die Erdbevölkerung mit knapp neun Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen.

Das zweite ist „das Riesensprung-Szenario“. Die Autor:innen halten es für noch möglich, „die Temperaturen unter 2° C über dem vorindustriellen Niveau zu stabilisieren, die Bevölkerung deutlich unter neun Milliarden Menschen zu halten, den Materialverbrauch zu reduzieren und sich bis zum Jahr 2050 weltweit dem Ende extremer Armut zu nähern. In diesem Modell  sinken die sozialen Spannungen und das Wohlergehen steigt im Laufe des Jahrhunderts aufgrund größerer Einkommensgleichheit.“

Möglich wird das aber nur, wenn fünf miteinander verbundene Kehrtwendungen sofort vollzogen werden:

  • Armut durch Reform des internationalen Finanzsystems beenden und 3 bis 4 Milliarden Menschen aus der Armut befreien;
  • Bekämpfung der groben Ungleichheit , indem sichergestellt wird, dass die reichsten 10 % nicht mehr als 40 % des Volkseinkommens erhalten;
  • Frauen erreichen bis 2050 volle Geschlechtergerechtigkeit;
  • Das Ernährungssystem wird umgestaltet, Verschwendung minimiert und Lebensmittel werden stärker lokal produziert;
  • Erneuerbare Energien lösen Kohle, Öl und Erdgas ab und der Treibhausgasausstoß wird etwa aller 10 Jahre halbiert, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

„Unsere Wirtschafts- und Finanzsysteme sind kaputt und wir erreichen ein gefährliches Maß an Ungleichheit. Wollen wir den ersten Billionär schaffen oder wollen wir funktionierende, gerechte demokratische Gesellschaften schaffen“, sagt Sandrine Dixson-Declève, Autorin und Co-Präsidentin des Club of Rome. „Letztlich geht es bei ‚Earth for All‘ darum, Gesellschaften aufzubauen, die den Wohlstand für alle schätzen und nicht den Profit für die Wenigen auf einem begrenzten Planeten.“

„Wir stehen am Scheideweg“, sagt Jørgen Randers, ein weiterer Autor der Studie, der 1972 bereits Koautor des ersten Club of Rome-Berichts „Die Grenzen des Wachstums“ war. „Die Menschheit legt derzeit die Saat für den Zusammenbruch ganzer Weltregionen.“ Ein Beibehalten des bestehenden Wirtschaftssystems werde „Spannungen verstärken und den Wohlstand verringern“. Ohne außergewöhnliche Maßnahmen zur Umverteilung des Reichtums in den nächsten 50 Jahren würden Gesellschaften derart dysfunktional, dass sie kaum in der Lage seien, existenzielle Bedrohungen wie den Klimawandel anzugehen. Es drohe eine explosive Kombination aus extremer politischer Destabilisierung und Stagnation. „Wir werden die Welt nicht retten, wenn nicht die reichsten zehn Prozent die Rechnung bezahlen“.

 

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