Nahe beieinander sind heute Mond und Merkur am Morgenhimmel. Tatsächlich sind beide in mancher Hinsicht verwandt. Sie sind ähnlich groß und haben eine besondere gravitative Beziehung zu ihrem Himmelsnachbarn. Während der Mond in exakt der gleichen Zeit, in der er um die Erde kreist, sich einmal um sich selber dreht, vollführt Merkur in zwei Sonnenumrundungen genau drei Drehungen um die eigene Achse. Gebundene Rotation nennen Astronomen dieses Phänomen.
Während es in unseren Breiten nicht einfach ist, Merkur mit bloßem Auge zu sehen, ist das Himmelsbild mit Mond häufig eindrucksvoll. Seltener dunkelt er die Sonne restlos ab und sorgt am Tag für kurze Finsternisse auf der Erde. Die Sonne abzudecken, gelingt dem kleinen Merkur natürlich nicht, doch gibt es ungefähr aller drei Jahre einen Merkurtransfer, wobei der Planet als kleine schwarze Scheibe vor der Sonne vorbeizieht.
Rastlosigkeit und seltenes Erscheinen wird für die antiken Griechen der Grund gewesen sein, dem sonnennächsten Wandelstern den Namen des Schutzpatrons für Händler, Wegelagerer und Diebe zu geben. Die Römer nannten einen Wochentag „dies Mercurius“, abgeleitet vom Lateinischen „mercari“, was „Handel treiben“ heißt.
Auch das Element Quecksilber hat schwer greifliche Eigenschaften. So übernahmen im Mittelalter die Alchemisten die antike Zuordnung, und bis heute heißt das flüssige Metall Mercury (in Englisch) oder Mercure (im Französischen). Quecksilbrig werden Menschen gern genannt, wenn sie besonders agil und von innerer Unruhe erfüllt sind.
