Das ist kein Titel für eine Performance. Oder doch. Zwei Aktivisten der Protestgruppe „Letzte Generation“ bewarfen dieser Tage im „Kunstmuseum Barberini“ in Potsdam ein Gemälde aus der Serie „Getreideschober“ von Claude Monet mit Kartoffelbrei und klebten sich unter dem Bild an der Wand fest. Nach eigenen Angaben wollten sie damit auf die Zerstörungen durch den menschgemachten Klimawandel hinweisen. Gibt es ein Like dafür von Marina Abramović?
Ähnliche Aktionen gab es am 23. August in der „Gemäldegalerie Alte Meister“ in Dresden an der „Sixtinischen Madonna“, am 24. August im „Städel Museum“ in Frankfurt am Main, am Gemälde „Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe“ von Nicolas Poussin und einen Tag später in der „Berliner Gemäldegalerie“ an einem Bild von Lucas Cranach dem Älteren. Keines der Kunstwerke, so war es von den Aktivisten vorbereitet, nahm Schaden.
Das Monet-Gemälde in Potsdam war durch eine Glasscheibe geschützt. In einem Gespräch mit der „Passauer Neue Presse“ sagte die Aktivistin Mirjam Herrmann, sie habe natürlich von der Glasscheibe gewusst. Die Brei-Aktion solle „einen Schock in der Gesellschaft auslösen und Emotionen hervorrufen“ und nachdenklich machen: „Uns schockiert Kartoffelbrei auf einem Gemälde, aber nicht dass unsere Natur kaputt geht“.
Die „Letzte Generation“ praktiziert in zivilen Ungehorsam in der Tradition Mahatma Gandhis, Rosa Parks oder Martin Luther Kings. Zivilen Ungehorsam halten die jungen Leute für ein lauteres und notwendiges Mittel, um Politiker, Hierarchien und ein Wirtschaftssystem ins Licht zu rücken, das wie die Axt im Walde agiert. Ihre Aktionen sieht die Gruppe als letzte Versuche, die schlimmsten Folgen des Klimawandels doch noch abzuwenden.
Zwei Tage später hängt im Potsdamer Museum das unbeschädigte Bild wieder an seiner Wand. Allerdings wurde „der untere Teil des historischen Rahmens in Mitleidenschaft gezogen und muss durch unsere Restauratorin ausgebessert werden“, sagt die Museumssprecherin Carolin Stranz. Zudem sei der Brei mit großer Wucht auf das Gemälde geschleudert worden, sodass er auf die angrenzende Wand und bis unter die sechs Meter hohe Lichtdecke gespritzt sei. Auch diese Stellen müssten ausgebessert werden.
„Attacken auf Kunstwerke sind aus meiner Sicht keinesfalls Aktionsformen, die hier etwas bewirken, ganz im Gegenteil. Damit werden Kunstschätze, die Teil unseres europäischen und weltweiten Kunsterbes sind, angegriffen. […] Eine mögliche Beschädigung dieser Kunstwerke wird dabei billigend in Kauf genommen“, sagt die wieder einmal mit ihrem Amt überforderte Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth.
„Wenn sich eine Generation als ‚letzte Generation‘ bezeichnet, dann stellt sie sich außerhalb der Geschichte. […] Das ist eine vollkommene Borniertheit gegenüber all dem, was danach noch kommen wird, egal, unter welchen Umständen die Leute dann leben werden. Hier zeigt sich schon, dass das eine Hybris ist, eine Form von Selbstermächtigung auf der Grundlage einer vollkommen absurden Legitimation“, sagt der Soziologe Harald Welzer. Er muss es nötig haben, jungen Leuten ihre Worte im Mund herumzudrehen.
Die sagen: „Wir kommen zusammen und leisten entschlossen gewaltfreien Widerstand gegen den fossilen Wahnsinn unserer Gegenwart. Wir sind der Überlebenswille der Gesellschaft!“
Die sagen: „Wir haben noch zwei bis drei Jahre, in denen wir den fossilen Pfad der Vernichtung noch verlassen können.“
Die fragen: „Was wirst du in diesen zwei bis drei Jahren tun – was ist deine Verantwortung?“
Die stellen fest: „Wir sind die letzte Generation, die den Klimakollaps und die drohenden Hungerkatastrophen noch aufhalten können.“
Eine andere Gruppe der „Letzten Generation“ klebt sich auf einer Berliner Autobahn fest, blockiert für eine dreiviertel Stunde den Nachmittagsverkehr und erzürnt Berufspendler: „Wisst ihr, was ihr seid? Eingebuchtet gehört ihr.“ Oder: „Alles, was ihr getan habt, ist, dass all diese Menschen sich umdrehen und euch nicht mehr zuhören.“
„Ich bin erschöpft und traurig, dass wir das machen müssen“, sagt Carla Hinrichs, eine der Aktivist:innen, nach der Autobahn-Aktion. „Ich weiß nicht, warum das notwendig ist und wünsche mir so sehr, dass unsere Regierung was tut, dass wir nicht den ganzen Kack hier machen müssen, um zu bitten, unsere Zukunft zu schützen.“
Mit Bildern mit und ohne Getreide an einer Museumswand. Ohne und mit Kartoffelbrei?