FrageZeichen

Mit einem Fragezeichen endet der Titel der 2016 erschienenen Schrift „What Kind of Creatures Are We?“ von Noam Chomsky. Es ist der erste Satz. Das FrageZeichen, erwartete ich, wird im Laufe des Textes aufgelöst. Den Gefallen tut Chomsky mir nicht. Er lässt wissen, dass er selbst gern wüsste, wie.

Die Abhandlung über die menschliche Sprache, wie sie funktioniert, woher sie kommt und wie sie mit dem Denken zusammenhängt, berührt die Linguistik, die Erkenntnistheorie, die Philosophie, die Biologie, die Metaphysik, die Hirnforschung und die Wissenschaftsgeschichte. Es endet mit der Vermutung, dass Sprache „sich als eines der letzten Geheimnisse herausstellen könnte, die für immer im Dunkeln bleiben werden, da sie für die menschliche Intelligenz undurchdringlich sind“.

Vor 23 Jahren schrieb der österreichische Schriftsteller Peter Handke das Bühnenstück „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“. Es ist eine Szenenfolge ohne ein gesprochenes Wort auf einem Platz in einer europäischen Metropole. Passanten, Exzentriker, Unscheinbare, Einsame, Liebende, temporäre Gruppen, Getriebene laufen sich ununterbrochen über den Weg und erschaffen einen manchmal poetischen, manchmal verstörenden Reigen, in dem ich mich abwechselnd als Zeuge, Täter oder Opfer fühle.

Ein FrageZeichen verknüpft das Bühnenerlebnis mit dem Leseerlebnis. „Was für Lebewesen sind wir?“ könnte auch der Titel von Handkes Theaterstück sein. Das FrageZeichen am Ende lässt nicht nur die Zukunft offen. Es hüllt Vergangenheit und Gegenwart in Geheimnisse, als die sie, wie der schottische Philosoph David Hume es schon im 18. Jahrhundert annahm, im „Dunkel, in dem sie immer gewohnt haben weiter wohnen werden“.

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