Greta Thunberg in Davos

In ihrer Rede in Davos auf dem Weltwirtschaftsforum spricht die junge Schwedin Greta Thunberg gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die heutige Zeit die letzte für uns werden könnte. Die Sechzehnjährige spricht gegen Besitzgier, SelbstTäuschung und SchönFärberei. Sie spricht für die Sprachlosen und Schamhaften, für die Verängstigten und Ruhiggestellten, für die Schweigende Mehrheit in Furcht einflößendem Geschrei:

„Ich spreche im Namen der Initiative ‚Climate Justice Now‘. Viele Menschen sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und dass es egal ist, was wir tun. Aber ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, um einen Unterschied zu machen. Wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollen würden. Aber um das zu tun, müssen wir klar sprechen, ganz egal, wie unangenehm das sein mag.

Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst davor habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben, und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen. Ihr seid nicht einmal erwachsen genug dafür, die Wahrheit zu sagen. Sogar diese Bürde überlasst ihr uns Kindern.

Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass ein paar wenige Menschen auch weiterhin enorme Summen an Geld verdienen können. Unsere Umwelt wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem im Luxus leben können. Es ist das Leid vieler Menschen, das für den Luxus dieser wenigen Menschen bezahlt.

Im Jahr 2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Falls ich Kinder habe, werden sie diesen Tag vielleicht mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach euch fragen. Vielleicht werden sie fragen, warum ihr nichts unternommen habt, solange es noch Zeit gab, um zu handeln. Ihr sagt, dass ihr eure Kinder über alles liebt. Trotzdem stehlt ihr ihnen ihre Zukunft, direkt vor ihren Augen.

Solange ihr euch nicht darauf konzentriert, was getan werden muss, sondern darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung. Wir können keinen Ausweg aus einer Krise finden, wenn wir sie nicht wie eine Krise behandeln. Wir müssen die fossilen Brennstoffe im Boden lassen, und wir müssen uns auf Gerechtigkeit konzentrieren. Wenn Lösungen in diesem System so unmöglich zu finden sind, dann müssen wir vielleicht das System ändern.

Wir sind nicht hierhergekommen, um die Spitzenpolitiker der Welt anzubetteln. Ihr habt uns in der Vergangenheit ignoriert, und ihr werdet uns wieder ignorieren. Euch gehen die Entschuldigungen aus, und uns geht die Zeit aus. Wir sind hierhergekommen, um euch wissen zu lassen, dass Veränderung kommen wird, ob es euch gefällt oder nicht. Die echte Macht liegt bei den Menschen.“

Diese Übersetzung habe ich aus der „Bildzeitung“. Das „vielleicht“ am Ende des vorletzten Absatzes ist für mich inkonsequent, aber was spiele ich mich hier auf! „Vielleicht“ sagt Greta Thunberg nämlich gar nicht, sondern: „… change the system itself“. So übersetzt es der Berliner „Tagesspiegel“ die Passage: „Wenn es unmöglich ist, Lösungen im bestehenden System zu finden, sollten wir das System an sich ändern.“

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