Im Deutschlandfunk berichtet eine Journalistin aus Odessa über Proteste, die es dort und inzwischen auch in Kiew, Lemberg und Riwne gibt. „Alles hat mit der Bekanntgabe der Stadtverwaltung von Odessa begonnen, die für mehr als umgerechnet 2,7 Millionen Euro die Renovierung des Bezirksgerichts beschlossen hat. Das löste einen Aufschrei aus. Die Menschen in Odessa waren empört über diese Ausgaben, während an der Front Schutzausrüstungen fehlen.“
Initiatorin der „breiten Proteste“ ist Kateryna Noschewnikowa, „eine bekannte Person nicht nur in unserer Region sondern in der Ukraine, die jeden Tag Briefe und E-Mails von Soldaten mit der Bitte um Hilfe bekommt“. Sie sagt, man werde nicht zulassen, dass auch nur eine Hrywnja (die ukrainische Währung) für nicht prioritäre Projekte ausgegeben werde. Trotzdem hat die Stadtverwaltung am 27. September mit der schlichten Begründung, dass sie wichtig sei, die Renovierung beschlossen.
Was „breite Proteste“ bedeute, fragt die Moderatorin der Sendung. „Das waren hunderte, tausende Menschen, die ein oder zweimal jede Woche vor der Stadtverwaltung protestiert haben“, antwortet die Journalistin. „Gibt es auch andere, die sagen, haltet zusammen, macht jetzt keine Demos gegen die Politiker und achtet darauf, dass wir nicht gespalten werden“, wird nachgefragt. „Nicht viele. Die meisten haben die friedlichen Proteste unterstützt. Ich war am Samstag und Mittwoch vor dem Rathaus und habe das alles gesehen, auch Kateryna Noschewnikowa, die einige Verbesserungen sieht, die aber bei Weitem nicht ausreichen“.
Das Ziel des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, den Krieg gegen Russland unbedingt mit einem Sieg beenden zu wollen, mag aus seiner Perspektive verständlich und ein bedingungsloser Frieden unannehmbar sein. Vernünftig ist es nicht, denn Putin wird sich nicht besiegen lassen und Selenskyj ihm de facto täglich ähnlicher.
Längst hat er die Ukraine zur Kriegspartei gemacht. Jetzt führt er ‚sein‘ Volk in Angst und Schrecken und nimmt abertausenden jungen Männern und Frauen die Zukunft. Die seinen Entscheidungen brav oder zähneknirschend folgen, unterscheiden sich kaum von den jungen Russinnen und Russen unter Putins Flagge. Für alle diese jungen Leute ist das kein Lebensziel und keine Notzwendigkeit. Ihre Not wird größer, je länger sie das tun. Die Anführer werden nicht mit der Wimper zucken, geschweigedenn Verantwortung für den Krieg übernehmen.
Es werden ihn auch junge Menschen überdauern. Was aber ist danach? Danach sind ihre Himmel leer, tut jedes Lachen nur noch weh, und der Krieg hat sich in Fragen aufgelöst: Für wen haben wir das getan? Warum lassen wir so etwas mit uns machen? Wieder und wieder?