Warum kommt das frühe deutsche Aus in internationalen Wettbewerben jetzt häufiger vor? Vor einiger Zeit fand ich heraus, dass Fußball wie kein anderes Mannschaftsspiel auch gesellschaftliche Verhältnisse abbildet. Mit den Regeln für den Kampf um den Ball und um ihn bis zum Torschuss zu behaupten, der selten genug erfolgreich ist, sind sie auf dem überschaubaren Spielfeld einfacher zu erkennen, als in der Lebenswirklichkeit.
Wahrscheinlich war der Philosoph Jean Paul Sartre der Erste, der in den Mustern, die die beiden Mannschaften auf dem Spielfeld entstehen lassen, entdeckte, dass ihre gemeinsame Fähigkeit über die der einzelnen Spieler hinausreichen kann. „Gemeinsames Individuum“ nennt er dieses Phänomen.
Wenn eine Fußballmannschaft als gemeinsames Individuum Spielsiege erreicht, kann das auch anderen Gruppen gelingen Lösungen für Aufgaben zu finden, sogar bis ins Existenzielle hinein, was Einzelnen und gegeneinander nicht gelingt. Mit dieser Idee eröffnet Sartre die Möglichkeit, komplizierte Situationen zu meistern und vielleicht sogar erfolgreich Grenzen zu verschieben.
Soweit der kleine Exkurs, doch zurück zu der Eingangsfrage, warum diesmal die deutschen Fußballfrauen schon wieder so früh aus einem großen Turnier ausscheiden. Wo auf dem Platz können denn die vermissten Siege wiedergefunden werden, wenn nicht gemeinsam am Ball und mit ihm hinein bis ins Tor des Gegners? Stattdessen sehe ich, wie die Spielerinnen sich in einem nervösen, verkrampften Gekicke verhaspeln. Da wendet sich kein Fußballgott mit Grausen, sondern ich mit vielen anderen. Und dfas nicht nur bei dieser Angelegenheit.