Holozän – griechisch: „das ganz Neue“ – wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts das jüngste Erdzeitalter genannt. Es beginnt nach der letzten Eiszeit, als sich mit dem globalen Klima die Lebensbedingungen für größere Säugetiere drastisch veränderten.
Dem Homo sapiens, eine Menschenart, der die Wissenschaft Verständigkeit zuschreibt, gelang es vor etwa 11000 Jahren in klimatisch günstigen Regionen sesshaft zu werden. Bis dahin waren Menschen jagend und sammelnd in nomadisierenden Horden unterwegs. Ihre Beheimatung kreierte eine zigtausend Jahre währende Lebensweise. Soziale Gefüge entstanden und die ersten städtischen Zivilisationen. Die Anzahl wuchs und breitete sich weltweit aus.
Im Jahr 2000 wurde der Begriff Anthropozän für die Erdzeit vorgeschlagen, in der die Menschen biologische, geologische und atmosphärische Prozesse auf der Erde erheblich beeinflussen. Mit Anpassungsfähigkeit, Geschicklichkeit und Erfindungsgabe verursachen sie Veränderungen in den komplexen Naturvorgängen und in der Gegenwart inzwischen so riskant, dass sie sich selbst gefährden.
2008 konstatierte die „Geological Society of London“, die älteste nationale geologische Gesellschaft der Welt, fest, dass das Holozän mit stabilen Klimaverhältnissen zu Ende geht und Artensterben, weltweite Artenwanderung und die Verdrängung natürlicher Vegetation durch landwirtschaftliche Monokulturen bleibende evolutionäre Veränderungen auf der Erde einleiten. Das der Menschheit zuzuschreiben, schreckte ihre eigene Wissenschaft allerdings noch zurück. Ein neues Erdzeitalter wurde nicht ausgerufen, jedoch blieb ‚Anthropozän‘ eine Metapher für alle möglichen menschlichen Einflüsse auf den Planeten.
Kapitalozän bedeutet, dass menschliches Handeln inzwischen von politischen und wirtschaftlichen Interessen geleitet ist. Der Homo Oeconomicus regiert die Welt, greift in das Naturgeschehen auf der Erde ein und schafft unumkehrbare Tatsachen. Davon erlebbar ist im Moment eine im Wortsinn atemberaubende Beschleunigung, auf die die Natur als komplexer Organismus zu reagieren beginnt. Noch sind die Folgen für die Menschheit unabsehbar. Vertreiben wir, so wie wir sind und leben, unsere Zeit?