Seit ich mich für ein auskömmliches Einkommen nicht mehr verdingen muss und mir die Tage einteilen kann, laufe ich, obwohl ich ein fauler Mensch bin. Bewegungsfaul war ich jedoch noch nie, und da ist auch noch die Angst vor einem Infarkt als Folge hohen Blutdrucks. Im Sommer vergangenen Jahres bescheinigte mir ein Kardiologe anhand eines Belastungs-EKGs eine miserable Kondition und verschrieb Blutdrucktabletten als Sofortmaßnahme.
Ich hasse die Pillenschluckerei und will vom Körperverfall noch nichts wissen. Dann erinnerte ich mich, weil gern ich als Junge durch die Gegend gewetzt bin und lief seit letztem September, sofern es nicht regnet und das Thermometer nicht unter Null Grad Celsius sinkt, fünfmal die Woche drei Kilometer.
Auf Muskelkater war ich gefasst, der sich aber mit ein bisschen Mumm ganz gut aus den Beinen laufen ließ. Seitenstechen, das ich früher häufig hatte, stellte sich gar nicht mehr ein. Stattdessen fingen die Beine an, im Kniebereich zu schmerzen. Das hörte auf, als ich nur noch dreimal in der Woche lief.
Als ich mit Laufen anfing, war ich schon nach 200 Metern platt und musste, über die Sytrecke verteilt, mehrere kleine Pausen einlegen. Es dauerte bis zum Jahresende, dass ich nur noch zweimal verschnaufen musste.
Wird der beginnende Frühling ausreichen, die Strecke endlich in einem Zug Anlauf zu bewältigen? Tatsächlich gelingt mir das seit Mitte letzter Woche. Auf einmal war es möglich und die Phantasie geht mit mir durch. Soll ich mir jetzt eine Stoppuhr zulegen und Rekorde sammeln? Soll ich die Strecke verlängern. Irgendwas, das nicht aus dem Gehirn kommt, rät mir, es bei dem Erreichten zu belassen, das aber dauerhaft fortzusetzen.