Eintritt in die Kampfzone. Ein Hauch von Freiheit?

Anlass für diesen Beitrag ist der Wunsch eines Freundes, mit mir über ‚Freiheit‘ zu reden. Über meine Skepsis ihr gegenüber, der Schönen. Sie beunruhigt mich gar nicht aber die verschiedenen Vorstellungen von ihr und Erwartungen an sie. Viele Gespräche über sie verstricken sich rasch in Widersprüche. Warum ist das so? Ich denke, weil vorab nicht klar war, wie die Beteiligten sie sich vorstellten und was sie mit ihr anfangen wollten.

Meine ersten Gedanken über den Begriff Freiheit hatte ich bei der Friedrich Hegel zugeschriebenen Äußerung: „Freiheit ist Einsicht in Notwendigkeit“. Etymologisch vom Indogermanischen „frī-halsa“ hergeleitet, sind Menschen frei, wenn „ihr Hals ihnen selbst gehört“ – Lebewesen also, die „zu einer Gemeinschaft von einander Nahestehenden und Gleichberechtigten gehören“ und „zwischen denen ein friedlicher Zustand herrscht und die diesen inneren Frieden gemeinsam gegen Übergriffe von Dritten verteidigen“.

Seitdem wird Freiheit in Philosophie, Theologie und Ideologie als menschlicher Zustand verhandelt, aus vielen Perspektiven und folgerichtig sehr verschieden. Das ist gar kein Problem. Es wird eines, wenn darüber diskutiert wird, ohne vorher besprochen zu haben, aus welcher Perspektive und mit welchem Ziel. Das ist in der seriösen Wissenschaft üblich. Erst definiert man die Begrifflichkeit, bevor begonnen wird, gemeinsam oder konkurrierend, was diesbezüglich keine Rolle spielt, Zusammenhänge zu erkennen und Einsichten für künftiges Handeln zu gewinnen.

Nähere ich mich dem Begriff Freiheit von der Natur her, erkenne ich mich bald, dass ich in ihr verhaftet bin, wie jedes Lebewesen. Aus der Perspektive der Polizei heißt das, dass ich mich nicht mehr bewegen kann wie ich will, sondern nur noch wie verlangt und erlaubt. Von daher denke ich an ein Gespräch im Jahr 1983, wo der 81jährige Karl Popper dem 80jährigen Konrad Lorenz die Einsicht vermittelt, dass ökologische Nischen nicht von Lebewesen gefunden, sondern erfunden werden. Mit ihnen und ihretwegen. Um leben zu können. Frei. Inwiefern?

Klar ist, dass neues Leben – Einzeller, Pflanzen, Tiere, Mensch – nur am Leben bleibt, wenn es in seiner ökologischen Nische verhaftet ist. Dafür braucht das komplexe System Natur kein Selbstverständnis. Es wohnt ihr ja inne. Die Spezies Mensch aber entdeckt es, indem sie zu sich kommt, an und für sich. Wir lernen verstehen. Einander und die Welt, in der wir leben, die ökologische Nische, die für uns das Raumschiff Erde ist.

Im Wort ‚verstehen‘ ist enthalten, dass es erst möglich ist, wenn wir stehen können. Um zu verstehen und Loszulaufen. So treten wir in die Kampfzone ein, in der wir verstehen zu existieren, Lebenszeit auszufüllen und Nachkommen zu schaffen. Uns fortzusetzen. Die Erde auszuformen, so dass wir weiter reichen, als uns die Polizei – pardon! – als uns Natur von vornherein erlaubt.

Das ist mein Kontext für die Freiheit. In ihm treffe ich sie, die Schöne, umwerbe und bewerbe sie. Stellt sich heraus, dass es anderen dabei gar nicht um sie geht, sondern vor allem um sich, darum, was ich darf oder kann, was Regeln mir erlauben sollen oder nicht, ist Freiheit, denke ich, nicht das richtige Wort. Freiheit ist niemals übergriffig. Sie hängt davon ab, was ich mit ihr anfangen will; mit meinem Leben.

 

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