Ob Verpackung oder Kunstwerk, Display oder Haut, glatte Oberflächen sind für den südkoreanisch-deutschen Philosophen Byung-Chul Han, der zur Zeit in Berlin lebt und denkt, Indiz für ein „Zeitalter des ‚Like‘“, so wie der ‚Gefällt mir-Button‘ auf Facebook, der Kommunikation vorgaukelt und in eine „Kultur der Gefälligkeit“ driftet. Glätte statt Verletzungsgefahr, statt einer Zuwendung, die riskant sein könnte, die unter die Haut geht, eindringt, durchdringt, Liebe hervorruft und Zorn.
Der heutigen Politik schreibt Byung-Chul Han Han Aalglattheit zu und sieht in ihr das entscheidende Dienstmerkmal für Popularität und Beliebtheit der Akteure. Zum Beispiel Angela Merkel ohne „feste Überzeugungen“, ohne „Visionen. Sie schaut auf die Straße, und je nach der Stimmung auf der Straße ändert sie ihre Meinung.“
Dem Magazin „Zeit Wissen“ sagt der Philosoph: „Es gibt einen interessanten Zusammenhang zwischen glatter Haut, glatter Kunst und glatter Politik. Die politische Handlung im emphatischen Sinne braucht aber eine Vision und einen hohen Einsatz. Sie muss auch verletzen können. Nicht nur Angela Merkel, sondern die Politiker von heute sind nicht fähig dazu. Sie sind nur noch gefällige Handlanger des Systems. Sie reparieren da, wo das System ausfällt, und zwar im schönen Schein der Alternativlosigkeit. Die Politik muss aber eine Alternative anbieten. Sonst unterscheidet sie sich nicht von der Diktatur.“