Christian Führer

Wer ist ein Held? Der Glanz und Kranz begehrt? / Der Großes tut, daß man ihn lobt und ehrt? / Der gar sein Leben wagt für Preis und Ruhm? / Gewiß, auch so erwuchs schon Heldentum. // Der wahre Held jedoch scheut Ruhm und Ehr‘; / ihm gilt sein Tun und dessen Wirkung mehr.“

Das rezitierte ich 1963 bei den DDR-üblichen Jugendweihe-Feiern. Es sind Verse von Max Zimmering, dem damaligen Direktor des Leipziger Literaturinstituts „Johannes R. Becher“, an dem ich zehn Jahre später studierte. Mein Deutschlehrer und Schuldirektor Siegfried Dohnert, dem meine Gedichtvorträge gefielen, hatte mich dafür ausgesucht. Es war das erste Mal, dass ich vor so vielen Leuten sprach und half mir ein Stück weit aus meiner Schüchternheit heraus.

Die Verse erinnerte ich beim kürzlichen Tod des 71jährigen Leipziger Kirchenmannes Christian Führer. Da war sein Name wieder in aller Munde, so wie im Jahr 1989, als er die Nikolaikirche mit seinen Friedensgebeten füllte, bis sie von Mutlosen und Ratsuchenden überquoll, um sich eines wunderschönen Tages draußen vor der Tür nicht mehr vereinzeln zu lassen, durch Straßen liefen, um schließlich auf dem Leipziger Ring die unwiderstehliche Kraft der Gemeinsamkeit zu verströmen.

Ihr Führer wurde, was für ein Glück, Christian Führer deswegen nicht und widerstand auch dem raschen Verbrauch der Worte Freiheit und Einheit. Der neuen Obrigkeit hat er sich niemals angedient. Wer weiß denn, dass er die montäglichen Friedensgebete, aus denen sich 1989 Weltbewegendes ergab, schon sieben Jahre zuvor erfand und nach der gefeierten Wiedervereinigung allen Ernstes fortsetzte?

Ihm war jederzeit klar, dass Marktwirtschaft „eine gnadenlose Leistungsgesellschaft“ hervorbringt, die „eigentlich nichts Demokratisches an sich“, wie Papst Franziskus uns jetzt erzählt. Christian Führer brauchte kein Denkmal für Freiheit und Einheit. Auf sie hat er stets hingewiesen, statt auf sich. So wird er vielen nahe bleiben.

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