Ich habe keine Wahl.
Obwohl sich 34 Parteien für den nächsten Bundestag zur Wahl stellen, denke ich, ich habe keine, empfinde die Vielfalt als vorgetäuscht und die Wirklichkeit als eine andere. Als eine Armut-Reichtum-Schere, die immer weiter aufgeht. Käme ein landesweiter Mindestlohn, ist die Höhe, die in Rede steht, wohl eher eine Demütigung, anstatt dafür zu sorgen, dass Ungleichheit nicht weiter wächst. Auch deutet in den Wahlprogrammen wenig darauf hin, dass die Durchlässigkeit der sozialen Schichten im Mittelpunkt steht, denn sie ist die Voraussetzung dafür, dass eine Gesellschaft sich zu einer stabilen Gemeinschaft entwickelt.
Warum wird in einem Monat dennoch die Mehrheit des Wahlvolks zur Urne schreiten, um wieder die eigene Stimme abzugeben? Weil es noch sehr vielen sehr gut geht und die meisten spüren, dass das nicht so bleiben muss. Sie hoffen nicht auf größere Verteilungsgerechtigkeit, sondern auf den Erhalt ihres Wohlstands in einer Welt, die nicht immer weiter wachsen kann und über sich hinaus, weil alles darin endlich ist. Dann soll die nächste Regierung bitteschön versuchen, mit aller Macht das seinige zu verteidigen. Wenigstens das. Vielfalt ist dann sekundär. Und keine Experimente bitte!
Für mich heißt ‚keine Wahl‘: Ich gehe nicht wählen. Ich spiele das Spiel nicht mit, das die professionellen Vielversprecher für mich inszenieren. Ich behalte meine Stimme, für Bemühungen, die über mein Eigenes hinausreichen und über den nationalen Tellerrand. Das wird unbequeme Konsequenzen haben.