In seinen Schriften „Empört Euch!“ und „Engagiert Euch!“ aus dem Jahr 2010 appelliert der französische Buchenwald-Überlebende und spätere Lyriker, Essayist, Diplomat und politische Aktivist Stéphane Hessel (1917-2013), in einer betrüblichen Gegenwart die Zukunft nicht aufzugeben. Er sorgt sich um die Menschheit, aber vor allem hat er Sorge, sich und einen Gutteil seiner Zeit vertan zu haben. Nun sollen die Jungen seine Werte und seine Zuversicht aufrecht erhalten. Ist das nicht eine Anmaßung?
Einen dritten Text hat er jetzt gemeinsam mit seinem Landsmann verfasst, dem Philosophen Edgar Morin (geb. 1921), und „Wege der Hoffnung“ genannt. Am Ende werden politische Parteien aufgefordert, sich aufzulösen, außerdem soll dem „Fetisch Wachstum“, einer „Ökonomie des Überflusses und der Oberflächlichkeit“ und einer „Praxis der Verschwendung“ abgeschworen werden. Wohlergehen soll fortan nicht mit Wohlstand verwechselt werden. Lehre und Forschung sollen sich nicht länger „in den Dienst der wirtschaftlichen, technischen und administrativen Forderungen des Augenblicks […] stellen. Das Denken in Teilen muss einem Denken in Zusammenhängen Platz machen.“ An Schulen soll es einen Unterricht geben, „der sich mit den Zivilisationsproblemen unseres Alltags befasst“.
Wer soll das anbahnen? Politiker, deren staatliche Bildungsprogramme noch nie ein anderes Ziel hatten, als möglichst pflegeleichte Untertanen? Parlamentarier, die unverdrossen Stimmen einsammeln? Behörden, die das Leben bürokratisieren? Mag sein, die Hoffnung stirbt wirklich zuletzt, aber diese ist jetzt schon eine Illusion. Auch ist Hoffnung keine Suppe, mit der sich Zukunft löffeln lässt. Durch unsere Mägen geht wohl eher Liebe. Besser als gar nichts? Na ja.
Wo sind die Wege, die weiter führen als in ein bisschen Frieden und für ein bisschen Gerechtigkeit? In meiner Natur liegen sie anscheinend nicht. Lässt sich mit meinem bisschen Verstand – weiß Gott, woher ich den habe und der Teufel wozu – zeigen, dass sie möglich sind: Frieden und Gerechtigkeit?