Sebastião Salgado in Berlin

Nach Jean Ziegler in Leipzig erlebte ich nun Sebastião Salgado und seine Frau Lélia Wanick Salgado im „Amerikahaus“ am Bahnhof Zoo in Berlin. Dort waren die beiden zur Eröffnung einer Ausstellung mit Fotos aus seinem Bildband „Genesis“. Etwa 200 vorwiegend jüngere Leute waren eine halbe Stunde vor Einlass vor Ort, und als sich die Tür öffnete, mochten es 600 sein.

2015 Sebastiao Salgado (rechts) u. Lelia Wanick Salgado (links)

Den Andrang ausweichend ging ich, wie sich herausstellte, den Salgados entgegen und traf auf sie und ihren Sohn Juliano in einem Besucherleeren Raum an der Spitze eines offiziellen Rundgangs. Im ersten Moment war ich gar nicht sicher, Salgado vor mir zu haben, aber dann war es, wie vor vier Wochen bei Jean Ziegler, dieses untrüglich Erwärmende, das jedem, der sich auf ihn zu bewegte, entgegen kam.

Wenn es um die Analyse von Systemen geht, in die wir heute eingebunden sind, zähle ich beide zu den Kompetentesten auf dem Planeten, obwohl ja Salgado, es klingt paradox, mit der sogenannten zivilisierten Menschheit im Grunde abgeschlossen habe. Von daher ist der Bildband „Genesis“ auch kein Rettungsversuch. Vielmehr will er, und tut das grandios, den aktuellen Naturzustand der Erde archivieren. Für wen? Für alle Fälle. Gegen die aktuelle Aussichtslosigkeit, dass wir ihr noch eine Weile erhalten bleiben.

Mit geringer Hoffnung angereist, die Ausstellung sehen zu können, gelingen mir sogar einige Fotos mit dem Künstler. Später spricht er in einem Innenhof in einfachem Englisch, das ich sogar zum Teil verstehe, von markanten Erfahrungen mit Menschen und Natur.

Es fühlt sich an, wie beim Betrachten des Bildbandes, das zu einem unerwarteten Einatmen wurde, ein Aufatmen beinahe.

Nachsatz

Wäre ich Salgado und Ziegler zwei Jahrzehnte früher begegnet, hätte ich mein Leben anders fortgesetzt. Das denke ich heute ganz ohne Enttäuschung, denn der Weg, den ich inzwischen gehe, hat die ihren ja kaum zufällig gekreuzt.

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