Nexus Conference in Dresden

Am 20. März lud der „Medienservice Sachsen“ Medienvertreter zu einem Empfang, der anlässlich der Unterzeichnung eines neuen Abkommens zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK), der Technischen Universität Dresden und der Universität der Vereinten Nationen (UNU) zur Förderung des UNU-Instituts FLORES stattfand.

Die UNU, auch Weltuniversität genannt, wurde 1973 als UN-Institution mit dem Ziel gegründet, Zukunftsfragen der Menschheit in allen Lebensbereichen auf wissenschaftlicher Basis zu erarbeiten. Sie hat ihren Hauptsitz in Japan (Tokio) und drei Außenstellen in Frankreich (Paris), den Vereinigten Staaten (New York) und Deutschland (Bonn).

UNU-FLORES ist ein Forschungsinstitut der Vereinten Nationen, das sich 2012 in Dresden angesiedelt hat. Dieses „Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources“ erforscht System- und Stoffflussanalysen, globale Veränderungen, Wasser-, Boden-, Landnutzungs- und Abfallwirtschaft sowie Altlasten. Ziel ist eine integrative und globale Perspektive mit besonderem Augenmerk auf Schnittstellen zwischen Ressourcen und ihre zyklischen Verknüpfungen.

„Zur Dresden Nexus Conference treffen sich vom 25. bis zum 27. März über 400 internationale Experten – Vertreter von UN-Organisationen und Instituten der UNU ebenso wie Experten aus Wissenschaft, Politik und Verwaltung, von Nichtregierungsorganisationen und aus der Privatwirtschaft“, lese ich. „Im Vorfeld der Welt-Klimakonferenz im Dezember in Paris verspricht die DNC2015 damit eine der größten und bedeutsamsten internationalen Konferenzen zum Thema Nachhaltigkeit in Deutschland zu werden.“

Es ist die erste Konferenz dieser Art. Beabsichtigt ist, wissenschaftliche Erkenntnisse über Zusammenhänge und Veränderungen aus verschiedenen Bereichen global und interdisziplinär so zu vernetzen, dass sie vor separatem und regionalem Missbrauch geschützt sind. Der „Club of Rome“ versucht das seit mehr als 50 Jahren erfolglos. Seine aufschlussreichen Schriften und Szenarios, wurden nie ein Handlungsgrund für die Mächtigen dieser Welt.

Warum erwarte ich von dieser neuen Konferenz kein besseres Ergebnis? Weil sie aus Strukturen hervorgeht, die die Vernunft einhegen und, sobald sie Machtinteressen und Gewinnmaximierungen in die Quere kommt, ausgrenzen. Oder ist mir entgangen, dass „rund 400 […] hochrangige Vertreter von UN-Mitgliedsstaaten, politische Entscheidungsträger und Umweltmanager, Vertreter von Bildungs- und Forschungseinrichtungen, nationalen und internationalen Organisationen […] aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika sowie Europa“, die von den Organisatoren der Konferenz angekündigt wurden, mit ergreifenden Vorträgen die Mauern des Dresdener Hygienemuseums gesprengt hätten, um eine polyphone Diskussion über Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Ernährung und Gesundheit im öffentlichen Raum zu entfachen, in Hörsälen, Klassen- und Wohnzimmern, in Foren und Talkshows, Amtsstuben und Kneipen?

Eine ganze Region hätte aufhorchen müssen, als William Rees, ein emeritierter Professor der University ob British Columbia in Vancouver, Mitglied des „Club of Rome“ und Erfinder des ökologischen Fußabdrucks, ans Rednerpult trat und über das Phänomen einer globalen Urbanisierung sprach. Nichts davon ist mir zu Ohren oder vor Augen gekommen.

Auf Nachfrage antwortete mir heute die zuständige Pressereferentin: „Das Interesse der Medien an unserer Konferenz hielt sich leider in Grenzen. In den Dresdner Neuesten Nachrichten war am 25.03. eine Meldung auf Seite 16 erschienen. Inhaltlich wird die Tagung natürlich von den Organisatoren noch nachbereitet. Auf der Internetseite (http://www.dresden-nexus-conference.org/) werden in nächster Zeit die Präsentationen der Vortragenden eingestellt […] Ich werde Sie gern informieren, wenn Präsentationen bzw. Videos veröffentlicht sind.“ Dann ist ja alles gut?

Bei der Stadt Dresden, die auf der leider nur englischsprachigen Internet-Seite der Konferenz als „staekholder“ genannt ist, bekam ich auf die Frage, worin denn der konkrete Beitrag der Stadt zur Konferenz bestanden habe, gestern folgende Auskunft: „Vielen Dank für Ihre Nachricht (??). Alle Anregungen (??) und Anmerkungen (??) werden von uns aufgenommen und geprüft. Bitte haben Sie aber Verständnis, dass nicht jede Nachricht (??) beantwortet werden kann. Auf konkrete Fragen (!!) erhalten Sie natürlich schnellstmöglich Antwort.“ Ich warte. Natürlich. Vergeblich.

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