Massenschlachtungen von Tieren empören uns und rufen die Veganer auf den Plan. Mit Massenschlachtungen von Menschen haben wir weniger Probleme. Am kommenden Wochenende lässt Leipzig es mal wieder krachen: 200 Jahre Völkerschlachtfest!
Um die Bedenklichen nicht zu verschrecken und die zum Nachspiel (Reenactment) herbeigelockte Herde der Blutrausch-Touristen nicht zu verlieren, wurde das 100 Jahre alte Schlachtedenkmal aufpoliert und zum Friedensmonument erklärt. Der zuständige Museumsdirektor Volker Rodekamp hat es sich nicht nehmen lassen, mit den Marketingstrategen der Stadt ein angemessenes Spektakel vorzubereiten.
In dem vergangene Woche im rathausinternen Pressespiegel veröffentlichten Beitrag des Kabarettisten und Satirikers Dr. Satori, den das digitale Meinungsmedium „der Freitag“ aus dem Satiremagazin „Der Giftspritzer“ übernahm, wurde schon mal das Jahr 2045 ins Auge gefasst, in dem sich der Holocaust zum 100. Male jähren wird:
„HOLOCAUST-REENACTMENT IN DER HELDENSTADT LEIPZIG. Nachstellung der Reichskristallnacht. Leipzig ein Flammenmeer. Deportationsfreudige Juden am Hauptbahnhof. Durch Connewitz ziehen heitere Erschießungskommandos in farbenfrohen SA- und SS-Uniformen. Die Stadtwerke schmücken ihre Gasbehältnisse mit dem Schriftzug ‚Zyklon B‘ und errichten ein schnuckeliges Konzentrationslager mit Wachtürmen und Stacheldraht“. Aufgefüllt mit „ortsansässigen Juden, entarteten Künstlern, Homosexuellen und Zeugen Jehovas“. Geschuriegelt von „Neonazis und völkischen Patrioten aus Wurzen und Leipzig“. Ohne dem Stadtverwaltungsleser das bittere Ende zuzumuten: „Zwischen Markkleeberg und Wachau werden willfährige Leipzigerinnen, die ostpreußische Flüchtlingsfrauen darstellen, von notgeilen Russen vergewaltigt und danach ermordet. Das Leipziger Laufhaus wird für Nachschub sorgen.
Im Rahmen eines großen Abschluss-Events werden die Universitätskirche, Nikolaikirche, Oper und das grottenhässliche Gewandhaus von tieffliegenden NATO-Bombern in Schutt und Asche gelegt. Wer möchte, kann sich zuvor in die städtischen Luftschutzbunker unterhalb des Rathauses begeben, um gegen 595 € Eintrittsgebühr das große Finale mitzuerleben: Der über 90-jährige Volker Rodekamp wird sich LIVE eine Kugel durch den Kopf jagen und das gesamte Personal (und deren Angehörige) der Leipziger Marketing GmbH wird zeitgleich Zyankali-Giftkapseln schlucken. Danach sind stehende Ovationen vorgesehen. Keine Zugabe.
Das volksnahe Propaganda-Käseblatt ‚Leipziger Volkszeitung‘ und der mit Seilschaften und Korruption durchzogene Fernsehsender MDR werden über alles berichten, so dass der Holocaust-Klamauk noch jahrzehntelang online und kostenpflichtig abrufbar sein wird. PROFICIAT!“