Maxie Wander, gegenwärtig

Geboren als Elfriede Brunner am 3. Januar 1933 in einem Wiener Arbeiterviertel, wäre Maxie Wander heute 80 Jahre alt. Noch vor dem Abitur, mit Siebzehn, verließ sie die Schule und probierte sich als Sekretärin, Fotografin, Journalistin, Drehbuchautorin aus. 1956 heiratete sie den 16 Jahre älteren Fred Wander, Sohn galizischer Zuwanderer, der 1955 den ersten Studiengang am Leipziger Literaturinstitut Johannes R. Becher belegte.

Seit 1958 bis zu ihrem Tod im Jahr 1977 lebten sie in Kleinmachnow bei Berlin, zuvor aber einige Wochen in einer Fabrikanten-Villa am Schwielowsee in Petzow, die seit 1955 nach mehrfachem Eigentümerwechsel Erholungsheim für DDR-Schriftsteller wurde. Dahin hätte die Leipziger Literaturwissenschaftlerin Christel Hartinger gern eingeladen, doch wird das ‚Objekt‘ inzwischen von einem süddeutschen westdeutschen Ehepaar behaust, das für Kulturelles und zumal aus der übernommenen DDR kein Verständnis hat. So sitzen wir jetzt unweit davon, in der nach Plänen Karl Friedrich Schinkels erbauten Petzower Kirche, die ich für diese Veranstaltung buchen konnte.

Prof. Dr. Marianne Schmidt, Dr. Christel Hartinger und Gertie Tetzner (v. l.)

Die 1936 in Thüringen geborene Schriftstellerin Gertie Tetzner – ab 1966 in einem Kurs am Literaturinstitut, dort 1968 zwangsexmatrikuliert und bis 1989 unter Stasi-Beobachtung – liest eine Textmontage aus Maxie Wanders „Guten Morgen, du Schöne. Protokolle nach Tonband“. Die in diesem Buch versammelten 18 Frauen(Porträts) sind ein meisterliches Stück Literatur, das inmitten ideologischer Verfälschungen der DDR-Staatsmächtigen entwaffnend offen und ehrlich daherkam, so dass eine seinerzeit sehr zugriffssichere Zensur verwirrt kapitulierte.

Christa Wolf schrieb: „Fast jedes dieser Gespräche weist durch Sehnsucht, Forderung, Lebensanspruch über sich hinaus, und gemeinsam – wenn man sie als Zusammenkunft verschiedenster, im Wichtigsten einiger Menschen sieht – geben sie ein Vorgefühl von einer Gemeinschaft, deren Gesetze Anteilnahme, Selbstachtung, Vertrauen und Freundlichkeit wären.“

Seit meiner Eisenacher Theater-Zeit in den 1980er Jahren habe ich diese Texte nicht mehr gehört, doch sofort sind sie mir wieder gegenwärtig. Mit zwei Programmen habe ich sie damals heraus aus dem Theater in Thüringer Betriebe, Urlauberheime und Kulturhäuser begleitet und nicht wenige Männer nachdenklich gemacht. Diese Abende wurden zu Verständigungen, wie sie damals in der Regel nur in Kirchenräumen oder heimlichen Zirkeln geschahen und nicht selten zu Verabredungen führten.

Der Grafiker, Karikaturist und Feuilletonist Harald Kretzschmar – ausgebildet an der „Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig“ und von 1955 bis 1991 Zeichner für den „Eulenspiegel“ – liest Bemerkenswertes über Fred Wander. Die Literaturwissenschaftlerin Marianne Schmidt – während meines Studiums am Leipziger Literaturinstitut meine Mentorin – trägt über Maxie vor.

Christel Hartinger moderiert über das Podium hinaus denen, die da lauschen und in einer Gegenwart erinnern, die – das hätte Maxie kaum verwundert – ihresgleichen sucht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert