„Randland“

Randland“ ist der Titel eines kaum beachteten Dokumentarfilms, der am 30. Oktober beim 55. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Weltpremiere hatte. In Spielfilmlänge zeigt das Team um die Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig eine Dorfgemeinschaft im Mecklenburgischen, die aufgehört hat, an den Kapitalismus zu glauben. An seine Stelle setzt sie einen „elementaren Kommunismus“ als „Rohstoff des Zusammenlebens“, so gesehen von dem US-amerikanischen Ethnologen und Mitinitiator der Occupy-Bewegung David Graeber.

Die Mecklenburger Dorfgemeinschaft erarbeitet sich diese „geteilte Geselligkeit, auf der alles andere errichtet“ wird, ohne Gezeter oder Revolte, mit Menschen wie dem Tüftler und Angler-Philosophen Harry, der für jeden Geräte repariert, mit Gabi, die fünf Kinder und zwei Pferde durchbringt, mit dem Zeitarbeiter Maik, der sich mit einem beschämenden Tariflohn durchschlägt, mit Cordula, die spät und hier die Liebe gefunden hat, mit dem Jugendlichen Uli, der ohne Lehrstelle ist und mit seinen Geschwistern die Gegend durchstreift, mit Bauer Maxe, der außer der „roten Scheiße“ in alten LPG-Zeiten manch Wertvolles findet.

Sie schaffen ein erwärmendes Gefühl von Heimat und Zuhause, wie es sich im Koordinatensystem von Gewinn- und Verlustrechnern nie im Leben einstellt und auch gar nicht vorgesehen ist, denn es wurzelt in einer komplexen Landschaft, die alle Sinne erfordert, um sich in Lungen und Seelen zu senken für gemeinsame erfüllende Momente, die schwerer wiegen als die Jagd nach Mehrwert. Außer am Rand ist das auch gar nicht denkbar.

Randland“ ist ein Fingerzeig auf Verhältnisse, über die wir schon lange bedenkenlos leben und wie sich eine Zukunft anfühlt, in der Beziehungen „unterschiedlich ausgeprägt und unterschiedlich intensiv nach dem Motto ‚jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen‘ funktionieren“.

Bis zur Preisverleihung schafft der Film es nicht und wird mit keinem Jurywort erwähnt.

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