Ein schwarzer Blitz, den ich an einem vertrauten Hals sah, erinnerte mich an Gilles Deleuze und sein „Abécédaire“. In dem als Video veröffentlichten Gespräch, das seine lebenslange Freundin und ehemalige Studentin Claire Parnet mit ihm führte, verknüpft der Philosoph fortwährend Begriffe entlang des Alphabets mit Biographischem, um beim Buchstaben Z zu enden:
„Z ist ein toller Buchstabe. Außerdem führt uns das wieder zu A. Das Z ist das ZickZack. Das letZte Wort. Es gibt kein Wort mehr nach ZickZack. Es ist vielleicht die allererste Be-wegung. Die Bewegung, die die Erschaffung der Welt eingeleitet hat.
Zur Zeit lese ich viel über den Urknall, die Entstehung des Universums, wie es daZu kam. Man kann sich ein von PotenZialen erfülltes Chaos vorstellen. Aber wie lassen sich PotenZiale in BeZiehung setZen? In einer wissenschaftlichen DisZiplin, ich weiß nicht mehr in welcher, gibt es einen Fachausdruck, der mir so gefallen hat, dass ich ihn in einem Buch verwendet habe. Man erklärt sich damit, dass Zwischen Zwei PotenZialen ein Phänomen auftritt, das man als ‚dunkler Vorstrom‘ definiert. Dieser dunkle Vorbote setzt differente PotenZiale in BeZiehung. Sobald die Bahn des dunklen Vorboten sich abzeichnet, geraten sie in einen Zustand der Reaktion, und zwischen ihnen blitZt das sichtbare Ereignis auf – der BlitZ eben.
Erst der dunkle Vorbote und dann: der BlitZ. So erwacht die Welt. Es gibt immer einen dunklen Vorboten, den niemand sieht. Und dann der BlitZ, der alles erleuchtet, und das ist sie dann, die Welt. Oder so müsste das Denken sein. So muss die Philosophie sein. Das Z ist so, und so ist auch die Weisheit des Zen: Der Weise, das ist der dunkle Vorbote … und dann der Stockhieb – der Zen-Meister teilt ja dauernd Stockhiebe aus – das ist der BlitZ, der die Dinge sichtbar macht.“
„Hochbeglückt“ war DeleuZe über das Z in seinem Namen. Ich wiederum schäme mich, denn in meinem vollständigen Vornamen HeinZ-Peter steckt es, und ich habe diesen Teil meist ausgeschlossen, habe freiwillig darauf verZichtet, weil mir die Kombination mit Peter nicht gefiel.
Neuerdings denke ich über das N nach – das die Natur eröffnet und die Nacht und das Nichts und unerwartet nahe dem Z. Es braucht nur eine Drehung um 90 Winkelgrade, um sich in der Mitte des Alphabets zu verstecken. Oder ruhiggestellt, dunkler Vorbote des WelterwacheNs? Gäbe es denn einen schöneren GruNd für das N, im so lange ungeliebten Namensteil unmittelbar neben dem Z zu erscheinen?