Wald scheint die Heimat der Bäume zu sein, bevor die Menschen ihm zu Leibe rückten. Weil sie sich vor ihm fürchteten? Je nachdem, wie tief und wild er war, wie sehr sie auf ihn angewiesen waren und wie groß ihre Phantasie war, beleumdeten sie ihn. In seiner Nähe und eindringend und durchdringend entstanden Märchen und Legenden. Schließlich wurde der Wald im Zuge der technischen Revolution, im Namen des Fortschritts der Menschheit, verarbeitet.
Überraschend trug die Wissenschaft auch dazu bei, ihn wieder zu versinnlichen. Heute sind wir in der Lage, den Wald als eine ausgereifte Lebensgemeinschaft vielfältigster Arten zu begreifen. Kein anderes Ökosystem aus Flora und Fauna ist auf den ersten Blick so eindrucksvoll. Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere ereignen sich darin als ein komplexes Beieinander, das Dauer und Weite zur Wahrnehmung bringen.
Langsam durchschauen wir das Wunderwerk, das der Natur in unserem Zeitmaß 200 Millionen Jahre abgewann und alle Ressourcen des Planeten gebrauchte, nicht um ihn zu dominieren, sondern um ihn in ein Gleichgewicht zu bringen, das weitere Millionen Jahre Leben ermöglicht. Menschenloses allemal. Der Wissenschaft zufolge ist das Sonnensystem im Universum dafür recht gut platziert.
Die gesamte Biosphäre der Erde und ihr Klima hängen wesentlich davon ab, wie es dem Wald ergeht. Nicht den entseelten Grünflächen, die das Resultat fortwährender Vergewaldigung sind, die wir Kultivierung und Forstwirtschaft nennen, sondern dem vielfältigen, immerfort sich erneuernden Naturgebilde, dessen Ausmaß wir verringern, je mehr wir sind.
Das wird von Jahr zu Jahr rasanter spürbar. Natur an sich kennt keine Verantwortung, allerdings entsteht sie mit einer selbstbewussten Wahrnehmung und haftet den Wesen, die dazu fähig sind, an. So werden wir erfahren, worauf das hinausläuft. Gibt es Außerirdische, wäre die Erde ein ideales Laboratorium: Wie lange und wie weit kann eine Lebensinsel sich in Raum und Zeit erstrecken? Dann hätte sie auch endlich einen Sinn im Sein. Und im Dahin.