„Arbeit und Struktur“

Mit dem Titel „Arbeit und Struktur“ erschien im Herbst 2013 als Buch der Blog des Schriftstellers Wolfgang Herrndorf. Nach Ai Weiwei’s „Der verbotene Blog“ ist es das zweite publizierte Internet-Tagebuch, das ich gelesen habe. Herrndorfs zwischen Mut und Verzweiflung dokumentierte letze Lebenszeit mit einem Glioblastom, einem tödlichen Gehirntumor, hat meine Neugier geweckt. Weiterlesen

„Conceptual Monument“

Kommt eine parlamentarische Demokratie auf die Idee, das Staatsvolk mit einem nationalen Denkmal zu beglücken, wird es kaum um die Würdigung basisdemokratischer Regungen gehen. Der US-amerikanische Sprachwissenschaftler, politische Publizist und Aktivist Noam Chomsky nennt zwei Ansätze für Demokratie. Einer „geht davon aus, dass in einer demokratischen Gesellschaft die Bevölkerung die Möglichkeit hat, sich auf sinnvolle Weise an der Regelung ihrer Angelegenheiten zu beteiligen“. Der andere „besagt, dass die Bevölkerung von der Regelung ihrer Angelegenheiten ausgeschlossen und der Zugang zu den Informationsmitteln streng begrenzt und kontrolliert werden muss.“ Das ist der Ansatz für parlamentarische Demokratie. In ihr sollen die Verhältnisse vor allem geordnet regulierbar bleiben. Weiterlesen

„Mittlere Reife“

Gesetze und Verordnungen, die Arbeit und Soziales regeln sollen, befördern in diesem Land die Zweiklassen-Gesellschaft. Wie sie entsteht, zeigt der Film „Mittlere Reife“ von Martin Enlen nach einem Drehbuch von Ariela Bogenberger an den fünf Jugendlichen Isabel, Kati, Tim, Andreas und Alexander, denen ein Schulverweis ohne Bildungsabschluss droht. Weiterlesen

„dOCUMENTA (13)“ 2

Der Shuttle-Bus fährt die Frankfurter Straße hinunter ins Fuldatal und dort zwischen Fluss und Karlsaue den Auedamm entlang bis zur überdimensionalen blauen Spitzhacke von Claes Oldenburg, die seit der documenta 7 in der Uferböschung steckt. Wieder hinauf und am Theater vorbei, fahre ich bis zum Steinweg, esse eine asiatische Nudelportion, lauwarm, weil der Imbiss einen Stromausfall hat und beginne einen zweiten Rundgang. Die Wartenden vor dem Fridericianum schlängeln sich immer noch gute einhundert Meter zwischen Kapitalismus-Gegnern und Sonnenanbetern. Hinter mir schwäbelt es. Minutenlang wird allen Ernstes die Aussprache des Gebäudenamens beratschlagt und „Frideritschianum“ in die engere Wahl genommen. Weiterlesen

„dOCUMENTA (13)“ 1

Zehn Meter lang ist die Warteschlange vor der documenta-Kasse am Bahnhof. Viertel vor Zehn reihe ich mich ein. An den vergangenen Samstagen, höre ich, sei es ähnlich gewesen. In zwei Wochen wird die Kunst-Schau schließen, und ich bin froh, nicht bis zuletzt gewartet zu haben. Warten werde ich, stellt sich heraus, nicht nur vor diesem und jenem documenta-Haus, sondern auch darin. Auf dem Friedrichsplatz vor dem „Fridericianum“ hat sich das „Doccupy-Camp“ eingerichtet. Aktivisten der „Occupy“-Bewegung, die ihre Zelte lange vor der „Europäischen Zentralbank“ in Frankfurt aufgeschlagen hatten, haben sich im Umkreis der Kunst niedergelassen, um die Besucher der Schau gegen den Kapitalismus zu bewegen. Im documenta-Buchshop blättere ich im „Begleitbuch“ und entschließe mich, meinen Kunst-Gang nicht zu beschweren, dem eigenen Gespür zu folgen und Gedanken sich entwickeln zu lassen. Weiterlesen